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Film und Bild
Hero
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Akareyon

Hero (verfasst: Freitag, 6. Juni 2003, 8:12) #

Und tatsächlich habe ich es heute Abend noch in den Film "Hero" geschafft. Voller Furcht, ob ich denn überhaupt noch einen Platz bekommen würde. Unbegründet, wie sich herausstellte - das Kino war fast leer.

  Erstmal vorweg - ein toller Film. Wer nicht zu den abgef*ckten, hirnamputierten, ______________(<== Platz für weitere Beschimpfungen der übelsten Sorte) W*chsern gehörte, die bei "Tiger and Dragon" bei irgendwelchen Szenen, die sie nicht begriffen haben, blöde gegackert haben; und wer nicht einen der alten Jet Li/Jackie Chan/Bruce Lee-Eastern erwartet, der wird wahrhaft Freude an diesem Meisterwerk der chinesischen Filmkunst finden.

  Der Film spielt im 3. Jahrhundert v.Christus und basiert auf wahren Begebenheiten, erzählt jedoch eine der Legenden, die sich um diese Zeit rankt: der König von Qin, ein machthungriger Tyrann, strebt danach, die sechs umliegenden sechs Königreiche (die später das vereinigte Kaiserreich China bilden sollten) unter seiner Herrschaft zu vereinen. Das, selbstverständlich, ist nicht neu - und es soll Leute geben, die was dagegen haben. Zum Beispiel die eben erwähnten Königreiche. Und nun kommt Namenlos (Jet Li) daher und übergibt dem König die Waffen seiner drei gefährlichsten Feinde Zerbrochenes Schwert, Fliegender Schnee und Weiter Himmel. Diese drei hatten bereits versucht, Attentate auf ihn zu verüben. Namenlos erhält das Vorrecht, vor den König zu treten - mit 100 Schritt Entfernung zum Thron. Er wird aufgefordert, von seinen Heldentaten zu berichten...

  "Hero" wartet auf mit opulenten Bildern, die sich vor Ästhetik und Farbe nur so erbrechen. Alles an dem Film ist schön, wunderschön - nicht nur die beeindruckenden und oft kaum merklich choreographierten Kämpfe mit Schwert und Speer, auch die Waffen, Rüstungen, das Set, die Requisiten, die Kleidungen. Karge Wüstenlandschaften, blaue Seen, herbstliche Wälder, eine Kalligraphieschule. Manchmal, möchte man meinen, ein bisschen zuviel des Guten... aber nur manchmal.

  Es ist ein Märchen, ein wunderhaft, nicht linear erzähltes Märchen. Und so erscheint die eine oder andere Einstellung, die die neuerdings in China anscheinend so beliebte Kabelage-Technik in Anspruch nimmt (so man "Tiger and Dragon" nicht gesehen hat), erstmal sehr, sehr gewöhnungsbedürftig. Aber dafür werden wir auch nicht mit irgendwelchen schlecht animierten CGI-Kämpfern konfrontiert *mal böse Richtung Spiderman, Matrix Reloaded, Two Towers und Hulk schielt*

  ...nervig allerdings die eine oder andere Kameraeinstellung, allerdings kenne bisher ich keinen Film, der mit der Kamera glaubhaft einem Pfeil gefolgt ist. Übel auch, wenn drei der Heerscharen von Statisten irgendwie ziemlichen Scheiß bauen. Naja, und selbst das Kampfgeschrei der sich duellierenden in SloMo abzuspielen - Geschmackssache. Und ich will nie, nie wieder im Detail sehen müssen, wo und wie die Perücke angebracht wurde. Sowas läßt sich ganz einfach mit guter Maske wegtuschieren, glaubt mir, liebe Leute. Aber das soll es schon gewesen sein mit dem Gemecker.

  Der Film kommt nicht mit, man verzeihe mir den Vergleich, halbausgegorenen und quer durcheinander interpretierbaren Pseudophilosophieschnipseln daher wie die Matrix-Filme, sondern konfrontiert, langsam gedeihend (und wunderbar, erzählerisch wie visuell mithilfe der Schwertkunst und der Kalligraphie zum Höhepunkt gebracht) mit einer recht einfachen wie komplizierten Weisheit - die jedoch durch die aus der am Ende sich ergebenden Situation aus meiner Sicht eine ganz, ganz gefährliche Konsequenz hat, mit der ich alles andere als einverstanden bin. Stoff zur Diskussion liefert es allemal denjenigen, die den Film gesehen haben. Wäre cool, wenn wir da mal einen Spoiler-Thread für aufmachen könnten.

  Besonders möchte ich noch die Arbeit von Oscar-Preisträger Tan Dun, dem Filmkomponisten, der schon für "Tiger and Dragon" verantwortlich zeichnete, hervorheben. Der Score treibt die Geschichte voran, unterstreicht die atemberaubenden Bilder - perfekt. Die Ähnlichkeiten zum Score von "Tiger and Dragon" sind zunächst verblüffend, und dennoch wirkt es irgendwie anders. Perkussionist Kodo und Geiger Itzhak Perlmann überzeugen einfach.

  Um es kurz zu machen: nüscht wie rein in den Film. Nehmt irgendein leises Tötungsgerät mit, um nervige Kiddies abzuschlachten.

_____________
Hero
O: Ying ziong
R: Yimou Zhang; B: Feng Li, Bin Wang, Yimou Zhang
D: Jet Li, Tony Leung Chio Wai, Maggie Cheung, Daoming Chen
M: Tan Dun


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BansheeOne

(verfasst: Freitag, 23. Januar 2004, 13:44) #

Komplementär der Hinweis auf "Der Kaiser und sein Attentäter" von Chen Kaige, der gerade gestern abend auf Arte lief. Behandelt denselben chinesischen Gründungsmythos, eher noch monumentaler als "Hero" ... allerdings weniger märchenhaft, ohne schwerkraftfreie Schwertduelle, und vor allem ohne die staatstragende Pointe: "Na schön, er ist ein Tyrann, aber lieber Unterdrückung als Krieg ..."

Tatsächlich kommt König Zhen hier als ziemlich labiler Typ daher, der seine anfängliche Vorstellung vom friedlichen, weil vereinigten Reich unter einer gütigen Herrschaft (meiner natürlich) nach und nach in Blut ersäuft und dabei völlig zum Psycho wird. Nur soviel: Kindsmord ist ein zentrales Motiv in diesem Film ...

Eigentliche Hauptfigur ist aber Zhens Konkubine Zhao (Gong Li), die zunächst seine Vision teilt und in Absprache mit ihm ein Attentat auf ihn organisiert, das ihm einen Kriegsgrund gegen das letzte Königreich liefern soll, dem anders nicht beizukommen ist. Aber im Verlauf der Geschichte bleibt keiner unverändert ...

Härter und nicht so schön bunt wie "Hero", aber gerade dadurch wohl viel näher an der Wahrheit. Hier wird selten einzeln gestorben, sondern meist mit Pauschaltarif. Und ehrlich gesagt, die persönlichen Zwänge sind genauso unausweichlich und eindrucksvoll dargestellt, aber die Moral von der Geschicht ist nicht so verdreht - et gibbet nämlich keine. Gut so.


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Nehmen wir an, daß eine kleine monochromatische Lichtquelle Licht ausstrahlt auf einen schwarzen Schirm, der zwei kleine Löcher hat. Die Durchmesser der Löcher brauchen nicht viel größer zu sein als die Wellenlänge des Lichtes, aber ihr Abstand soll erheblich größer sein. In einigem Abstand hinter dem Schirm soll eine photographische Platte das ankommende Licht auffangen. Wenn man dieses Experiment in den Begriffen des Wellenbildes beschreibt, so sagt man, daß die Primärwelle durch beide Löcher dringt. Es wird also zwei sekundäre Kugelwellen geben, die von den Löchern ihren Ausgang nehmen und die miteinander interferieren. Die Interferenz wird ein Muster stärkerer und schwächerer Intensitäten, die sogenannten Interferenzstreifen, auf der photographischen Platte hervorbringen. Die Schwärzung der photographischen Platte ist im Quantenprozeß ein chemischer Vorgang, der durch einzelne Lichtquanten hervorgerufen wird. Daher muß man das Experiment auch in der Lichtquantenvorstellung beschreiben können. Wenn es nun erlaubt wäre, darüber zu sprechen, was dem einzelnen Lichtquant zwischen seiner Emission von der Lichtquelle und seiner Absorption in der photographischen Platte passiert, so könnte man in derfolgenden Weise argumentieren. Das einzelne Lichtquant kann entweder durch das erste oder durch das zweite Loch gehen. Wenn es durch das erste Loch geht und dort gestreut wird, so ist die Wahrscheinlichkeit dafür, daß es später an einem bestimmten Punkt der photographischen Platte absorbiert wird, davon unabhängig, ob das zweite Loch geschlossen oder offen ist. Die Wahrscheinlichkeitsverteilung auf der Platte muß die gleiche sein, als wenn nur das erste Loch offen wäre. Wenn man das Experiment viele Male wiederholt und alle die Fälle zusammenfaßt, in denen das Lichtquant durch das erste Loch gegangen ist, so sollte die Schwärzung der photographischen Platte dieser Wahrscheinlichkeitsverteilung entsprechen. Wenn man nur die Lichtquanten betrachtet, die durch das zweite Loch gegangen sind, so sollte die Schwärzungsverteilung jener entsprechen, die man aus der Annahme enthält, daß nur das zweite Loch offen war. Die Gesamtschwärzung sollte also genau die Summe der Schwärzungen in beiden Fällen sein; in anderen Worten, es sollte keine Interferenzstreifen geben. Aber wir wissen, daß dies falsch ist, und das Experiment wird zweifellos die Interferenzstreifen zeigen. Daraus erkennt man, daß die Aussage, das Lichtquant müsse entweder durch das eine oder durch das andere Loch gegangen sein, problematisch ist und zu Widersprüchen führt. Man erkennt an diesem Beispiel deutlich, daß der Begriff der Wahrscheinlichkeitsfunktion nicht eine raum-zeitliche Beschreibung dessen erlaubt, was zwischen zwei Beobachtungen geschieht. Jeder Versuch, eine solche Beschreibung zu finden, würde zu Widersprüchen führen. Dies bedeutet, daß schon der Begriff 'Geschehen' auf die Beobachtung beschränkt werden muß. Das ist allerdings ein sehr merkwürdiges Resultat, das zu zeigen scheint, daß die Beobachtungen eine entscheidende Rolle bei dem Vorgang spielt und daß die Wirklichkeit verschieden ist, je nachdem, ob wir sie beobachten oder nicht.

Werner Heisenberg (Physik und Philosophie, Frankfurt 1973, S. 34 f.)






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