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Gegenseitigkeitsprinzip
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Maggi

Gegenseitigkeitsprinzip (verfasst: Dienstag, 10. Februar 2004, 15:26) #

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Wer als Nichtamerikaner zu diesen Zeiten in das Land auf der anderen Seite des großen Teichs reisen will, tut sich daran schwer. Wegen verschärften Terrorismuskontrollen verlängern sich die Wartezeiten, bis der gepäckbeladene Tourist endlich in das Land der unbegrenzten Möglichkeiten eingelassen wird. Schließlich muss jedermann bei der Einreise die aus den Kontrollen resultierenden Aktionen der Polizei und der Grenzkontrolle der Vereinigten Staaten über sich ergehen lassen, die aus folgendem bestehen: Fingerabdrücke abnehmen, Fotos von sich schießen lassen, Daten den lokalen Behörden anvertrauen.

  Genug wurde dies einem brasilianischen Richter. Landsleute klagten gegen diese Maßnahmen bei der Einreise in die USA, weswegen er ab dem 1. Januar 2004 ein neues Gesetz in den Umlauf brachte. Danach werden alle Bürger der Vereinigten Staaten - und zwar nur diese - auf ihre Fingerabdrücke kontrolliert, ein Foto von ihnen gemacht und außerdem wichtige Daten von ihnen notiert und sicher bewahrt. Der Richter berief sich dabei auf das "Gegenseitigkeitsprinzip" und rechtfertigte das neue Gesetz damit.

  Nicht gut fand das ein Pilot und die gesamte Besatzung einer American-Airlines-Maschine, die von Miami aus Richtung São Paulo unterwegs war. Der Pilot machte auf dem Foto "obszöne Gesten" und streckte dem Fotoapperat seinen Mittelfinger entgegen. Das konnte der brasilianische Grenzschutz natürlich nicht einfach so hinnehmen, der Pilot wurde flugs arrestiert und die gesamte Besatzung ebenfalls, da sie "die Kontrollen verweigerte".

  Der brasilianische Präsident Luiz Inácio Lula da Silva indes, dessen Regierung denrichterlichen Beschluss durch einen Erlass bestätigt hatte, bat seinen Kollegen G. W. Bush hinter vorgehaltener Hand: "Die Wartezeiten auf den brasilianischen Flughäfen von bis zu 8 Stunden würden sich drastisch reduzieren, würde gleiches nicht auch brasilianischen Staatsbürgern auf dem amerikanischen Flughafen passieren." Also beruft sich auch er auf das Gegenseitigkeitsprinzip, ist aber durchaus bereit, einzuwilligen, würden es die Vereinigten Staaten auch machen. Ein Sprecher aus "Brasilia" nannte das Verhalten des amerikanischen Piloten zur gleichen Zeit "inakzeptabel".

  Die Firma des Angeklagten, die American Airlines Corp. wurde von der brasilianischen Staatsanwaltschaft auf eine Summe von 36 000 Real (10 000 Euro) verklagt. Wenn diese Summe gezahlt werden würde, würde damit eine "Haftstrafe des Piloten von bis zu 12 Monaten verhindert" werden. Die sich immernoch weigernde Besatzung wurde mittlerweile zurück nach Amerika geschafft.

  Der Flughafen Rio de Janeiro hat derweil ein Problem: Auch bei ihm sind die Kontrollen von US-Bürgern Pflicht - was aber besonders in diesen Zeiten des Karnevals ein ziemliches Geldproblem bedeuten würde. Und genau deswegen ist Bürgermeister César Maia den ganzen Tag damit beschäftigt, die US-Bürger mit T-Shirts mit der Aufschrift "Rio loves you" und kleineren Geschenken in sein Reich zu locken. Bezahlt wurden die Geschenke von den Stadtvätern der Tourismusbranche, die den Tourismus-Rückgang mit Schrecken beäugten.

  Bleibt nur noch die Sinnfrage. Jemand reist - ganz legal - in die USA ein, schnappt sich dort ein paar Sprengsätze und jagt das Empire State Building in die Luft. Und die CIA hat seinen Fingerabdruck, sein Geburtstdatum und ein Foto von ihm an der Wand. Und dann?

Ciao,
Maggi


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