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Die Hure
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Akareyon

Die Hure (verfasst: Montag, 8. März 2004, 0:08) #

Es gibt da eine Hure. Man wartet einige Zeit allein und gedankenverloren in einem abgedunkelten, sehr angenehm eingerichteten Raum, dann geht man durch einen schmalen Gang und wird von ihr begrüßt. Sie nimmt einem die Jacke ab und wirft sie weg. Man weiß nicht so recht, ob sie Make-Up trägt oder nicht.

  Die Hure behandelt alle Freier unterschiedlich. Sie nimmt auch Frauen. Von manch einem läßt sie sich wie im Rausch durchorgeln, und dann schmeißt sie ihn raus. Anderen gegenüber ist sie großzügiger, sie läßt einen an ihrem Busen einschlafen oder es dauert nach dem Akt noch ein Weilchen, bis sie einen in die Kälte entläßt. Dann hält sie noch ein wenig Smalltalk und raucht eine Zigarette mit ihrem Gast.

  Bei einigen ist sie sehr kreativ, sie verwöhnt ihren Gast mit allem, was sie hat; sie trinkt Champagner aus brilliantbesetzten Schuhen oder verkleidet sich als Kätzchen. Andere wiederum behandelt sie lieblos, teilnahmslos läßt sie irgendein Standardprogramm über sich ergehen oder speist ihren Freier mit einer einfachen Nummer ab. Von manchen läßt sie sich quälen, auspeitschen und vergewaltigen. Einige läßt sie kaum an sich heran, oder sie beläßt es bei ein paar Streicheleinheiten - oder auch einer angenehmen Massage. Manchmal läßt sie einen gar nicht zu sich. Und manchmal wiederum, da strippt sie, scheinbar endlos ewig, und man fragt sich, ob und wann es denn endlich losgeht. Oder sie sieht gemütlich zu, wie man es sich selbst berührt. Einigen gewährt sie jeden Wunsch, manchmal mit aller Hingabe und Wärme, von der man jedoch nie weiß, ob sie echt ist. Und manch einer ist so enttäuscht von ihr, daß er sich entweder heimlich fortstiehlt oder wütend die Tür hinter sich zuschmeißt.

  Sie nimmt dennoch von allen den gleichen Preis; jeder muß das gleiche zahlen, wenn er geht. Egal, wie lange er bei ihr war, und was er dafür bekommen hat.

  Wir alle sind ihre Freier. Das Leben ist eine Hure.

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Für Zora Guevara, Mari, Nogead, Logan, Duracan und Etti. Ich liebe Euch.


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Everything in our age has, when carefully examined, this fundamentally undemocratic quality. In religion and morals we should admit, in the abstract, that the sins of the educated classes were as great as, or perhaps greater than, the sins of the poor and ignorant. But in practice the great difference between the mediaeval ethics and ours is that ours concentrate attention on the sins which are the sins of the ignorant, and practically deny that the sins which are the sins of the educated are sins at all. We are always talking about the sin of intemperate drinking, because it is quite obvious that the poor have it more than the rich. But we are always denying that there is any such thing as the sin of pride, because it would be quite obvious that the rich have it more than the poor. We are always ready to make a saint or prophet of the educated man who goes into cottages to give a little kindly advice to the uneducated. But the medieval idea of a saint or prophet was something quite different. The mediaeval saint or prophet was an uneducated man who walked into grand houses to give a little kindly advice to the educated.

Gilbert Keith Chesterton (Heretics, XIX)






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