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Film und Bild
I, Robot
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BansheeOne

I, Robot (verfasst: Dienstag, 10. August 2004, 12:43) #

Probleme mit "Illegal Aliens"? Intergalaktische Heuschreckenschwärme in den größten, bösesten fliegenden Untertassen aller Zeiten greifen die Erde an? Massen von Robotern machen Zicken? Da gibt's nur einen Mann für den Job: Will Smith. Mit "I, Robot" ist er als Detective Spooner mal wieder in einem Kino in Ihrer Nähe.

Richtig originell ist an dem Film wenig. Und mit Isaac Asimovs Vorlage hat er zuallererst mal überhaupt nicht zu tun bis auf die "Drei Gesetze der Robotik". Stattdessen auf Action und Special Effects getrimmtes Popcornkino, das fröhlich Versatzstücke aus allen möglichen anderen Werken des Genres zitiert. Die Anlehnung an "Blade Runner" ist augenfällig. Und wenn ich mehr als zwei Hirnzellen dafür aufgewandt hätte, mich nicht über die wie üblich unzulängliche Bildschärfe und überzulängliche Klimatisierung im Göttinger Cinemaxx zu ärgern, hätte mich die Enthüllung des Geheimnisses des guten Detectives mit der paranoiden Abneigung gegen Roboter nicht so überrascht. Meine Güte, sogar die Freundin von meinem kleinen Bruder hat das aus Meilen Entfernung kommen sehen.

Auch die letzte Wendung überrascht wenig, selbst wenn man der anspruchslosen Geschichte auch die einfachere Erklärung abgenommen hätte. Das Motiv der Technik, die sich unter konsequenter Anwendung der vorgegebenen Parameter gegen ihren Schöpfer wendet, ist halt nicht gerade neu. Die Schauspieler können sich auch nicht recht gegen den Computer durchsetzen; CGIs dominieren, wie natürlich von einem Robo-SciFi-Blockbuster zu erwarten. Die sind im Einzelnen recht nett gemacht, wenn beispielsweise die Mimik von Roboter "Sonny" (immerhin abgenommen von einem echten Schauspieler) samt der Bewegungen der Servomechanismen unter seiner halbtransparenten Haut dargestellt wird. Andererseits arten Massenszenen wieder in Polygonschlachten aus. Da mixen wir dann noch ein paar offensichtliche Plagiate aus "Matrix" und "Episode 1" rein, fertig ist die Soße.

Von der Ankündigung, Will Smith's Charakter sei härter und weniger nett als seine bisherigen Rollen, bleibt so viel nicht über. Wie immer reißt er trockene Sprüche (von denen die Hälfte auch irgendwie geklaut klingt), während er wahlweise die Bösen vermöbelt oder um sein Leben rennt. Unglücklicherweise ist die weibliche Hauptrolle auf kompetent getrimmt, billigen Sexappeal als Ergänzung zum billigen Macho-Appeal gibt's hier also ooch nich. Fast am meisten rühren die Vertreter der veralteten Robot-Generation NS-4, die durch die neue versuperbesserte und natürlich inhärent gefährlichen NS-5 ersetzt werden soll (wofür steht überhaupt NS? New Servant? Neutral Species? Nazis in Space?). Die sind mit einem solchen Hundeblick designt, das man heulen möchte, wenn Spooner das Containerlager entdeckt, in dem die ausgemusterten NS-4 ihr Dasein fristen.

Der Technikfreak rettet sich den Film natürlich wie immer mit der Darstellung der Zukunftsvision, die sich die Macher für das Jahr 2035 ausgedacht haben. Da gibt's auch nicht so viel revolutionär neues - außer den Autos, die auf scheinbar achsfrei aufgehängten Kugeln fahren und sich so in jede Richtung bewegen können. Das verleiht Spooners original von Audi designten Schlitten, den automatisierten Robot-Transportern und den Panzern am Schluß gleichermaßen einen gewissen Manga-Look. Sicher ein interessantes Konzept, ebenso wie die linearen Optik-Sensoren der Überwachungsanlagen. Ansonsten gibt es die üblichen Spielereien wie sprechende Hologramme, Handies zum Ins-Ohr-Stecken (im deutschen Sprachgebrauch heißt das dann wohl "Eary" ...), Autos werden vom Verkehrsleitsystem gesteuert und automatisch in der Tiefgarage gestapelt. Immerhin ein konsequentes und stimmiges Konzept.

Das einzige, was mich stört, sind bezeichnenderweise die Robots selber: wieso soll man einen Androiden in die Küche oder hinter die Bar stellen, oder sie Mülltonnen in Müllautos heben lassen? Warum kann man dem Müllauto nicht selber einen Arm dafür geben, etc.? Immerhin gibt es auch zweckgebaute Abriß- und Straßenräumroboter. Natürlich hätte man dann sowohl die "Ausbeutung" als auch die Bedrohung durch die im Straßenbild allgegenwärtigen Roboter nicht so gut darstellen können. Ein intelligenter Staubsauger hat halt nicht so menschliche Züge ...

Ach ja, und zwei Bier kosten im Jahr 2035 schlappe 46 Dollar. Ein Glück, daß das nicht für den Film gilt. Wer sich 90 Minuten lang unterhalten und eine recht durchdachte, wenn auch mit Erfordernissen der Darstellung belastete Zukunftsvision betrachten will, sollte sich den Film ansehen. Aber nicht überall, wo "I, Robot" draufsteht, ist Isaac Asimov drin.


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Nehmen wir an, daß eine kleine monochromatische Lichtquelle Licht ausstrahlt auf einen schwarzen Schirm, der zwei kleine Löcher hat. Die Durchmesser der Löcher brauchen nicht viel größer zu sein als die Wellenlänge des Lichtes, aber ihr Abstand soll erheblich größer sein. In einigem Abstand hinter dem Schirm soll eine photographische Platte das ankommende Licht auffangen. Wenn man dieses Experiment in den Begriffen des Wellenbildes beschreibt, so sagt man, daß die Primärwelle durch beide Löcher dringt. Es wird also zwei sekundäre Kugelwellen geben, die von den Löchern ihren Ausgang nehmen und die miteinander interferieren. Die Interferenz wird ein Muster stärkerer und schwächerer Intensitäten, die sogenannten Interferenzstreifen, auf der photographischen Platte hervorbringen. Die Schwärzung der photographischen Platte ist im Quantenprozeß ein chemischer Vorgang, der durch einzelne Lichtquanten hervorgerufen wird. Daher muß man das Experiment auch in der Lichtquantenvorstellung beschreiben können. Wenn es nun erlaubt wäre, darüber zu sprechen, was dem einzelnen Lichtquant zwischen seiner Emission von der Lichtquelle und seiner Absorption in der photographischen Platte passiert, so könnte man in derfolgenden Weise argumentieren. Das einzelne Lichtquant kann entweder durch das erste oder durch das zweite Loch gehen. Wenn es durch das erste Loch geht und dort gestreut wird, so ist die Wahrscheinlichkeit dafür, daß es später an einem bestimmten Punkt der photographischen Platte absorbiert wird, davon unabhängig, ob das zweite Loch geschlossen oder offen ist. Die Wahrscheinlichkeitsverteilung auf der Platte muß die gleiche sein, als wenn nur das erste Loch offen wäre. Wenn man das Experiment viele Male wiederholt und alle die Fälle zusammenfaßt, in denen das Lichtquant durch das erste Loch gegangen ist, so sollte die Schwärzung der photographischen Platte dieser Wahrscheinlichkeitsverteilung entsprechen. Wenn man nur die Lichtquanten betrachtet, die durch das zweite Loch gegangen sind, so sollte die Schwärzungsverteilung jener entsprechen, die man aus der Annahme enthält, daß nur das zweite Loch offen war. Die Gesamtschwärzung sollte also genau die Summe der Schwärzungen in beiden Fällen sein; in anderen Worten, es sollte keine Interferenzstreifen geben. Aber wir wissen, daß dies falsch ist, und das Experiment wird zweifellos die Interferenzstreifen zeigen. Daraus erkennt man, daß die Aussage, das Lichtquant müsse entweder durch das eine oder durch das andere Loch gegangen sein, problematisch ist und zu Widersprüchen führt. Man erkennt an diesem Beispiel deutlich, daß der Begriff der Wahrscheinlichkeitsfunktion nicht eine raum-zeitliche Beschreibung dessen erlaubt, was zwischen zwei Beobachtungen geschieht. Jeder Versuch, eine solche Beschreibung zu finden, würde zu Widersprüchen führen. Dies bedeutet, daß schon der Begriff 'Geschehen' auf die Beobachtung beschränkt werden muß. Das ist allerdings ein sehr merkwürdiges Resultat, das zu zeigen scheint, daß die Beobachtungen eine entscheidende Rolle bei dem Vorgang spielt und daß die Wirklichkeit verschieden ist, je nachdem, ob wir sie beobachten oder nicht.

Werner Heisenberg (Physik und Philosophie, Frankfurt 1973, S. 34 f.)






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