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Film und Bild
xkcd - Time
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Akareyon

xkcd - Time (verfasst: Dienstag, 22. Oktober 2013, 12:14) #

Kennt Ihr xkcd? Falls nicht: es gibt seit ein paar Jahren einen Webcomic von einem gewissen Randall Munroe. Protagonisten sind simple Strichmännchen, thematisch geht es um Romantik, Sarkasmus, Mathematik und Sprache. Absoluter Nerd-Humor halt... zum Einstieg: Angular Momentum (romantisch), 1,000 Miles North (ein bisschen sarkastisch), Nerd Sniping (mathematisch), Genetic Algorithms (linguistisch).

Einen Teil der Faszination machte ursprünglich aus, daß man zu einem recht erlesenen Kreis gehörte, wenn man die Gags verstand; mittlerweile ist der Kreis der Fans gewachsen und hat zum Beispiel das Explain XKCD Wiki hervorgebracht, um beim Erfassen der Hinter- und Tiefgründe behilflich zu sein. Es gibt Projekte für Transkripte und, falls möglich, Übersetzungen. Munroe gehört zu den wenigen Webcomic-Autoren, die von ihrer Kunst leben können - die Strips werden unter der Creative-Commons-Lizenz veröffentlicht, dafür gibt es T-Shirts, Tassen und Poster im Webshop. Und ein Himmelskörper wurde auch schon nach ihm benannt; ein hinreichend starkes Indiz für den Nerdfaktor seiner Fanbase.

Auf den ersten Blick erscheinen die Strips simpel. Hin und wieder aber haut Munroe so richtig auf die Kacke. Money ist ein schickes Beispiel hierfür, ebenso Click and Drag.

Den Vogel abgeschossen hat er allerdings mit Time. Im entsprechenden Forenthread läßt sich schön nachverfolgen, wie die Leser zunächst irritiert darauf reagierten, daß man nur zwei Strichmännchen dasitzen sah. Und der Titel: "Time". Hm. Das ist aber extrem Zen. Oder hatte Randall einfach mal keinen Bock?

Eine halbe Stunde später fiel jemandem auf, daß sich etwas verändert hatte an dem Bild.

Wieder eine halbe Stunde später schon wieder eine Veränderung. Bei so einer Fanbase war der nächste Schritt logisch: der HTML- und java script-Quelltext wurde seziert und die Feststellung getroffen, daß das jeweils nächste Bild wahrscheinlich schon auf dem Server lag, der Dateiname jedoch verschlüsselt war und deswegen erst zugänglich, wenn der Autor es wollte. Es blieb also nur, darauf zu warten - und in der Zwischenzeit zu spekulieren, was es nun damit auf sich hatte, alle halbe Stunde die Veränderungen zu dokumentieren, animierte GIFs daraus zu basteln und zu diskutieren. Wetten wurden abgeschlossen: nach 24 Stunden gibt's 'nen Loop. Nee, die Geschichte kann über eine Woche laufen. Schon wurde applaudiert: Randall Munroe hat sich mal wieder selbst übertroffen.

Das Strichmännchen ging an den rechten Bildschirmrand und gab der Spekulation Auftrieb, das Pärchen sitze am Wasser, an einem Strand. Die Strichmännchen fingen an, eine Sandburg zu bauen. Wofür sollte das eine Metapher sein? Und: hat sich nicht von einem Frame zum nächsten der Wasserspiegel verändert? Bestimmt würde es einen Loop geben: die Sandburg wird von der Flut fortgespült, ein anderes Pärchen setzt sich an den Strand, eine Allegorie an die Flüchtigkeit allen Lebens!

Nein, doch es soll hier nicht allzuviel vorweggenommen werden. Am besten ist es, hier durch die insgesamt 3099 (!) Einzelbilder des Epos zu klicken (empfohlen sei die Steuerung mit den Pfeiltasten), die im Verlaufe mehrerer Monate immer mehr Fans in ihren Bann zogen, eine eigene Religion, eine neue Sprache und ein Browsergame hervorbrachten und so manchen in den Wahn der Schlaflosigkeit trieben.

Nur wenige haben alles "live" miterlebt. Im Nachhinein den Thread zu lesen (den mit Abstand längsten in den XKCD-Foren) lädt dazu ein, die Spekulationen und wissenschaftlichen Analysen aus soziologischer Sicht zu untersuchen.

Da besteht nun die Stammleserschaft vornehmlich aus Programmierern, Ingenieuren, Mathematikern und Nerds, und die schaffen es wirklich, einen beträchtlichen Teil ihrer Energie dafür abzuzweigen, ihre eigene Subkultur zu gründen und ihre Haustiere auf einmal "Molpy" zu nennen, GIFs zu basteln, Songs zu schreiben, Videos zu drehen, ein Spiel zu programmieren, Gedichte zu schreiben und eine fucking neue Religion zu basteln; was nun schon noch einen Schritt weiter geht als die Debatten der Fans von Webcomics wie z.B. Questionable Content, die sich nicht weniger darüber ereifern, ob Marten nun mit Faye oder doch lieber wieder mit Dora zusammenkommen sollte als die Fans von Star Trek, ob Janeways Entscheidung, Tuvix zu töten, moralisch legitimierbar ist und ob Picard dasselbe getan hätte.

Dem Autor dieser Zeilen - dies sei dem sehr geehrten Leser versichert - ist vollkommen bewußt, daß er die Entropie noch weiter vergrößert, indem er Unitiierte auf diese Phänomene hinweist und sie der Gefahr aussetzt, ebenfalls vollkommen kleben zu bleiben. Indes, der erste halbwegs zusammenhängende Gedanke nach all den Monaten Stille auf dugarun.de kann sich ja nur mit dem beschäftigen, was es in dieser Zeit so an Aufregung gab.

Wie? Es ist doch soviel passiert, mit den Snowden-Enthüllungen, der Bundestagswahl und dem Shutdown in den Staaten, und das müsse doch auch mal thematisiert werden?

Wait for it...


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Nehmen wir an, daß eine kleine monochromatische Lichtquelle Licht ausstrahlt auf einen schwarzen Schirm, der zwei kleine Löcher hat. Die Durchmesser der Löcher brauchen nicht viel größer zu sein als die Wellenlänge des Lichtes, aber ihr Abstand soll erheblich größer sein. In einigem Abstand hinter dem Schirm soll eine photographische Platte das ankommende Licht auffangen. Wenn man dieses Experiment in den Begriffen des Wellenbildes beschreibt, so sagt man, daß die Primärwelle durch beide Löcher dringt. Es wird also zwei sekundäre Kugelwellen geben, die von den Löchern ihren Ausgang nehmen und die miteinander interferieren. Die Interferenz wird ein Muster stärkerer und schwächerer Intensitäten, die sogenannten Interferenzstreifen, auf der photographischen Platte hervorbringen. Die Schwärzung der photographischen Platte ist im Quantenprozeß ein chemischer Vorgang, der durch einzelne Lichtquanten hervorgerufen wird. Daher muß man das Experiment auch in der Lichtquantenvorstellung beschreiben können. Wenn es nun erlaubt wäre, darüber zu sprechen, was dem einzelnen Lichtquant zwischen seiner Emission von der Lichtquelle und seiner Absorption in der photographischen Platte passiert, so könnte man in derfolgenden Weise argumentieren. Das einzelne Lichtquant kann entweder durch das erste oder durch das zweite Loch gehen. Wenn es durch das erste Loch geht und dort gestreut wird, so ist die Wahrscheinlichkeit dafür, daß es später an einem bestimmten Punkt der photographischen Platte absorbiert wird, davon unabhängig, ob das zweite Loch geschlossen oder offen ist. Die Wahrscheinlichkeitsverteilung auf der Platte muß die gleiche sein, als wenn nur das erste Loch offen wäre. Wenn man das Experiment viele Male wiederholt und alle die Fälle zusammenfaßt, in denen das Lichtquant durch das erste Loch gegangen ist, so sollte die Schwärzung der photographischen Platte dieser Wahrscheinlichkeitsverteilung entsprechen. Wenn man nur die Lichtquanten betrachtet, die durch das zweite Loch gegangen sind, so sollte die Schwärzungsverteilung jener entsprechen, die man aus der Annahme enthält, daß nur das zweite Loch offen war. Die Gesamtschwärzung sollte also genau die Summe der Schwärzungen in beiden Fällen sein; in anderen Worten, es sollte keine Interferenzstreifen geben. Aber wir wissen, daß dies falsch ist, und das Experiment wird zweifellos die Interferenzstreifen zeigen. Daraus erkennt man, daß die Aussage, das Lichtquant müsse entweder durch das eine oder durch das andere Loch gegangen sein, problematisch ist und zu Widersprüchen führt. Man erkennt an diesem Beispiel deutlich, daß der Begriff der Wahrscheinlichkeitsfunktion nicht eine raum-zeitliche Beschreibung dessen erlaubt, was zwischen zwei Beobachtungen geschieht. Jeder Versuch, eine solche Beschreibung zu finden, würde zu Widersprüchen führen. Dies bedeutet, daß schon der Begriff 'Geschehen' auf die Beobachtung beschränkt werden muß. Das ist allerdings ein sehr merkwürdiges Resultat, das zu zeigen scheint, daß die Beobachtungen eine entscheidende Rolle bei dem Vorgang spielt und daß die Wirklichkeit verschieden ist, je nachdem, ob wir sie beobachten oder nicht.

Werner Heisenberg (Physik und Philosophie, Frankfurt 1973, S. 34 f.)






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