Dugarun :: Forenübersicht :: Registrieren :: Anmelden

NAME:  speichern
 P455W0R7:   
 
   
 
zurück zum Forum
Memversuche
Revisited: fraktales Sein oder Nichtsein
1 / 1 antworten

Akareyon

Revisited: fraktales Sein oder Nichtsein (verfasst: Mittwoch, 24. März 2004, 1:36) #

Es ringt das eine mit dem anderen, das Sein mit dem Nichtsein. Wir wissen, daß das Sein gewann. Irgendwo schmollt das Nichtsein und wartet auf seine Chance. Und es kann warten. <=o=>

  Es brodelt, es brodelt. Wie eine Protuberation blubbert eine Blase aus dem Nichts auf, formt etwas in die Leere, definiert zum ersten Mal "Form", Erstlingsgeburt des Seins.

  Wie lange? Kennt es schon Zeit? Oder fängt sie erst an? Denn wo ist die Geschwindigkeit seiner einzelnen Teile bemessen? Ist es heiß oder kalt? *fissssss*

.
<=o=>

  Hast Du gesehen? Materie und Antimaterie verschlingen sich gegenseitig wie zwei gegeneinander schleifende Mühlsteine. Wie lange, bis nichts als die Achse übrig ist? Wovon wird am meisten bleiben, welchen Gesetzen wird sich das Sein unterwerfen?

  Kommt es letzten Endes darauf an? <=o=>

  Aus der kosmischen Ursuppe erwacht, was Gaia genannt werden soll, erstes Bewußtsein, Sediment des omnipräsenten Symbiosenkollektivs von chaotisch oszillierenden Zuständen in der expandierenden Materie, und streckt seine xenophilen Rüssel aus, um für die kommenden Ewigkeiten Vakuumenergie zu schlürfen. <=o=>

  Als das Universum labil wird, zu kollabieren droht, hebt die inzwischen erfahrene Paraintelligenz das Ding, dessen Teil sie ist, auf ihre atlantischen Schultern.


.
<=o=>

  Doch nichts kann den Zerfall aufhalten oder gar stoppen... der Big Bang ist ein reversibler Vorgang. Das Universum verschwindet im Badewannenstrudel der unbewußten Rache des Nichtseins. Als es eng wird, springt Gaia aus diesem Universum heraus, beäugt das sterbende Sein, das zehrende Nichtsein, und schafft sich seine eigene, imaginäre Welt. Denn sein unfreiwilliger Lehrmeister, das Sein, war. Und bleibt mit ihm seiend.

  Das Nichtsein hat nicht triumphiert, denn es glüht etwas neues auf... Das Sein war, ein neues wird sein, es ist im Begriff zu werden. Und es wird wiederum das Nichtsein niederringen... denn Gaia steht an seiner Seite. Gaia wird immer wieder neue Seins schaffen, bis es selbst ein Sein ist. <=o=>

[=====o=o=====]

  Keine Angst, das Gesaller da oben entspricht in keiner Weise meiner Weltanschauung oder religiösen Überzeugung. Verfasst habe ich den Text vor langer, langer Zeit mal, aus Spaß an Fraktalen und absolutem Blödsinn, er befand sich damals auf meiner Homepage und geriet durch die Umstellung auf die Dugarun in Vergessenheit. Dazu gab es damals folgende Erklärung:

  Jedesmal, wenn ich vor dem Computer sitze und mir ein Fraktal(es Bild) berechnen lasse oder ich einem Freund einen Ausdruck schenke oder zeige, und mir oder uns dabei jemand über die Schulter sieht, kommt erst mal "Cool. Was ist das denn?". Es folgt dann eine kurze Erklärung meinerseits, und es macht schon irgendwie Spaß, die Veränderung in den Gesichtszügen seines Gegenübers zu beobachten, wenn die Meinung von "Cool" zu "So ein Spinner" wegdriftet. Aber manchmal wird mir dann auch die Frage gestellt, warum ich sowas mache. Wie ich mit sowas meine Wochenenden verbringen kann.

  Ganz einfach.

  Fast alles auf der Erde gilt als entdeckt. Was nicht ganz stimmt- es gibt noch viel zu entdecken, über, auf und unter der Erdoberfläche. Doch mit den Mitteln, die ganz normale Menschen bzw. der Durchschnittsmensch hat, kann man nicht mehr viel machen. Für die wirklichen Entdeckungen gibt es hochspezialisierte Maschinen, die von hochspezialisierten Menschen bedient werden. Aber auch der Durchschnittsmensch wird (behaupte ich zumindest) von einem Entdeckerdrang getrieben, bei dem es einem nicht (oder nur hintergründig) um Geld oder Ruhm geht, sondern um die pure Neugier, den "Kick", etwas zu entdecken, bevor jemand anders es tut.. Etwas zu entdecken, um es entdeckt zu haben. Und das einzige, wo es wirklich immer was neues gibt, ist die Unendlichkeit. Hier wird nie alles entdeckt werden. No man can understand or explain "infinity", but all will try to, hatte ich auf meiner alten Homepage stehen.

  Toll. Unendlichkeit. Was ist denn unendlich? Das Weltall (vielleicht), und die Grenzen der Mathematik (ziemlich sicher).

  Zeit?

  Wiederum stellt sich die Frage, woran man seine Neugier befriedigen kann. Das Universum? Unmöglich.

  Mathematik? Das können doch nur die ganz Klugen.

  Eben nicht, dieses Paradigma, dieses Dogma auszuhebeln gilt es. Mathematik kann eine wahnsinnig interessante, spannende und auch schöne Sache sein, wenn man die richtigen Formeln benutzt, weg von den Vorstellungen eines verhassten Lehrers, der vor der Tafel steht und die Definition von Abelschen Gruppen wissen will.

  "Formeln!" stöhnt da jemand auf, der sich an seine Schulzeit erinnert fühlt. Doch keine Angst, die Formeln übernimmt das Programm. Es vergnügt sich einige Zeit mit der eingegebenen Formel und baut nebenbei das Fraktal(e Bild) auf. Dann kann man reinzoomen, wie bei der Kurve einer Funktion. Aber es wird cooler- irgendwann taucht das, was man eben gesehen hat, nochmal auf, nur leicht verändert, komplexer, fragiler. Dann ändert man die Farbgebung - von Neon-cool über Eis-Blau nach Feuer-Warm. Dann läßt man irgendwann die Farben rotieren. Vielleicht ändert man die Formel. Und das ganze sieht irgendwann so endlos cool aus, daß man sich nicht mehr davon losreißen kann. Das finde ich an Fraktalen so toll, und deswegen lasse ich meinen Computer meist nächtelang rechnen, und deswegen verbringe ich Wochenenden vor dem Computer.


antwort mit zitat
   antworten



schreiben
antworten
umfragen
bearbeiten
löschen
moderieren

Obligates
Palantír
Tandaradei
Ex Libri
Film und Bild
In taberna quando sumus
Verweise

Dugarun
Memversuche




Nehmen wir an, daß eine kleine monochromatische Lichtquelle Licht ausstrahlt auf einen schwarzen Schirm, der zwei kleine Löcher hat. Die Durchmesser der Löcher brauchen nicht viel größer zu sein als die Wellenlänge des Lichtes, aber ihr Abstand soll erheblich größer sein. In einigem Abstand hinter dem Schirm soll eine photographische Platte das ankommende Licht auffangen. Wenn man dieses Experiment in den Begriffen des Wellenbildes beschreibt, so sagt man, daß die Primärwelle durch beide Löcher dringt. Es wird also zwei sekundäre Kugelwellen geben, die von den Löchern ihren Ausgang nehmen und die miteinander interferieren. Die Interferenz wird ein Muster stärkerer und schwächerer Intensitäten, die sogenannten Interferenzstreifen, auf der photographischen Platte hervorbringen. Die Schwärzung der photographischen Platte ist im Quantenprozeß ein chemischer Vorgang, der durch einzelne Lichtquanten hervorgerufen wird. Daher muß man das Experiment auch in der Lichtquantenvorstellung beschreiben können. Wenn es nun erlaubt wäre, darüber zu sprechen, was dem einzelnen Lichtquant zwischen seiner Emission von der Lichtquelle und seiner Absorption in der photographischen Platte passiert, so könnte man in derfolgenden Weise argumentieren. Das einzelne Lichtquant kann entweder durch das erste oder durch das zweite Loch gehen. Wenn es durch das erste Loch geht und dort gestreut wird, so ist die Wahrscheinlichkeit dafür, daß es später an einem bestimmten Punkt der photographischen Platte absorbiert wird, davon unabhängig, ob das zweite Loch geschlossen oder offen ist. Die Wahrscheinlichkeitsverteilung auf der Platte muß die gleiche sein, als wenn nur das erste Loch offen wäre. Wenn man das Experiment viele Male wiederholt und alle die Fälle zusammenfaßt, in denen das Lichtquant durch das erste Loch gegangen ist, so sollte die Schwärzung der photographischen Platte dieser Wahrscheinlichkeitsverteilung entsprechen. Wenn man nur die Lichtquanten betrachtet, die durch das zweite Loch gegangen sind, so sollte die Schwärzungsverteilung jener entsprechen, die man aus der Annahme enthält, daß nur das zweite Loch offen war. Die Gesamtschwärzung sollte also genau die Summe der Schwärzungen in beiden Fällen sein; in anderen Worten, es sollte keine Interferenzstreifen geben. Aber wir wissen, daß dies falsch ist, und das Experiment wird zweifellos die Interferenzstreifen zeigen. Daraus erkennt man, daß die Aussage, das Lichtquant müsse entweder durch das eine oder durch das andere Loch gegangen sein, problematisch ist und zu Widersprüchen führt. Man erkennt an diesem Beispiel deutlich, daß der Begriff der Wahrscheinlichkeitsfunktion nicht eine raum-zeitliche Beschreibung dessen erlaubt, was zwischen zwei Beobachtungen geschieht. Jeder Versuch, eine solche Beschreibung zu finden, würde zu Widersprüchen führen. Dies bedeutet, daß schon der Begriff 'Geschehen' auf die Beobachtung beschränkt werden muß. Das ist allerdings ein sehr merkwürdiges Resultat, das zu zeigen scheint, daß die Beobachtungen eine entscheidende Rolle bei dem Vorgang spielt und daß die Wirklichkeit verschieden ist, je nachdem, ob wir sie beobachten oder nicht.

Werner Heisenberg (Physik und Philosophie, Frankfurt 1973, S. 34 f.)






[ powered by phpBB 2 | Impressum ]