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Film und Bild
Van Helsing
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Maggi

Van Helsing (verfasst: Mittwoch, 12. Mai 2004, 16:58) #

Selten genug kommt es vor, so könnte man jene Situation als einzigartig bezeichnen; aber es stimmt, die Kritiker sind einer Meinung. Einer Meinung über „Van Helsing“. Abraham van Helsing, seines Zeichens erfundene Romanfigur von Bram Stoker, der sich damit in seine Geschichte selbst einbeziehen wollte (Bram ist eine Kurzform von „Abraham“), erfuhr eine kleine Namensänderung zu „Gabriel van Helsing“ („Echte Superhelden heißen nicht Abraham“, eigentlich aber aus vielleicht sogar berechtigten Lizenzgründen) und wurde damit der Star des Kinofilms „Van Helsing“, der in den nächsten Tagen in deutschen Kinos anläuft.

Van Helsing, der abgesehen von seinem Nachnamen mit der Romanvorlage nicht besonders viel zu tun hat, war eigentlich das erzkonservative Bollwerk gegen den Feind aus Transsylvanien, der mit Biss und Geheul Mädchen und Frauen zu verderben suchte. Nicht so in Stephen Sommers („Die Mumie“) Meisterwerk. Van Helsing, der hier zwar keinen Doktortitel aber eine Wagenladung Waffen mit sich trägt, ist der Botschafter, nein, der Agent des Vatikans und handelt in seinem Auftrag, macht dabei Dutzenden von Kobolden, Hexenmeistern und anderen Menschen, die den wahren Weg verlassen, den Garaus. Wie sein Kumpel Blade weiß er dabei nichts über seine Herkunft, dafür aber viel über den Umgang mit Waffen. Mit der Lizenz zum Coolsein stellt er nicht viele Fragen, „allenfalls drei: Was ist es, und wie kann ich es töten?“
In den Katakomben von St. Peter findet sich entgegen allen wissenschaftlichen Meinungen ein riesiges Waffenarsenal, in dem sich der Held der Geschichte mit allerlei Gewalt ausstatten lässt, bevor er auf die finale Mission gegen den dunklen Vampirlord ins Feld zieht.
Und irgendwann kommt dann auch ein wenig Action auf und Spannung und dergleichen mehr und horrende Massen von schlicht nicht genial animierten CGI-Draculiden fliegen Tieffliegerangriffe auf dastehende Menschen und Kühe, da zappeln epileptische Untote, Halbtote, Ganztote und Werwölfe im strobokopischen Blitzlichtgewitter, da wuseln Zwerge, die offensichtlich Urlaub aus ihrem Ursprungsfilm „Phantasm“ machen, wild hin und her... Dauernd schwingen Personen, die man bis dato nicht kannte oder von deren Existenz man nichts mitbekommen hatte, wie Tarzan an plötzlich auftauchenden Drähten und Seilen in den Äther und wieder hinab und das Frankenstein’sche Monster trägt Glühbirnen in der Brust – als Doppelherz-Ersatz. Und als Gratisgeschenk gibt’s den Maskenball der Vampire aus dem „Tanz der Vampire“ dazu.
Im großen Showdown dann vereint „Van Helsing“ alles, was zu einem schlechten Film gehört: Alles explodiert, schwingt, fliegt, stinkt, wabert, implodiert zerfließt und zersplittert in grünen Glibber. Ein wahres Bild der menschlichen Psyche – doch das ist zum Glück ein weiter Begriff...

Die Produzenten sehen in „Van Helsing“ übrigens den Geheimtipp des Jahres. Und genau deswegen sind Spiele für alle Konsolen, für PCs, ein Sequel und ein Buch sowieso schon in Planung.

Fakten:
Van Helsing
Universal, USA 2004
Regie: Stephen Sommers, Drehbuch: Stephen Sommers
Laufzeit: 120 Minuten, FSK: ab 16
Start: 6. Mai 2004
Homepage: http://www.vanhelsing.net
Alternative: Graf Dracula


Ratings:
Filmstarts.de: [3/10] „Wenn es einen Preis für das peinlichste, hirnrissigste und inhaltsleerste Drehbuch gäbe, Stephen Sommers hätte ihn sicher: Was er dem Zuschauer als Story-Kompott mit den drei bekanntesten Ungeheuern aus den Tiefen des Universal-Archivs zumutet, spottet jeglicher noch so wohlwollender Beschreibung.“

Cinema.msn.de: "Fazit: Actionüberladener Monsterreigen, der trotz eindrucksvoller Optik nur an der Oberfläche bleibt."
.

Spiegel online: "Mit seinem Actionthriller "Van Helsing" verramscht Regisseur Stephen Sommers den klassischen Schauerfilm zum digital übersättigten Popcorn-Event."


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BansheeOne

(verfasst: Donnerstag, 13. Mai 2004, 17:59) #

Ja, schlecht ... aaaber lustig. Naja, mit der Zeit wird's halt trotzdem langweilig.

Bei anderer Gelegenheit habe ich hier ja mal das Bild eines Hollywood-Transsylvanien verbreitet, in dem Heerscharen verrückter Wissenschaftler mit schlechtgespieltem deutschen Akzent Leben in Erlenmeyer-Kolben zu erbrüten versuchen ... hier ist es Wirklichkeit geworden. Danke, Steve! :)


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Akareyon

(verfasst: Donnerstag, 13. Mai 2004, 20:20) #

Ich hatte mich sehr auf den Film gefreut, als ich das Kino-Plakat gesehen habe: MEIN Mantel, MEIN Schlapphut, und, verdammt, MEINE Braut! Die Armbrust hätte ich glatt noch dabeigenommen. Und dann stand auf dem Plakat auch noch, der Hauptcharakter werde gespielt vom besten Wolverine, den man sich je hätte aussuchen können.

  Und dann kam das, was einen normalerweise dazu verführen soll, einen Film sich reinzuziehen: der Trailer. Und der überzeugte mich dann von der Idee, es sei besser, Abe van Helsing einen guten Mann sein zu lassen und erst für "Troja" wieder den Tempel des Gottes "Cinemaxius" zu betreten.

  Denn: wenn schon ein Kino-Trailer meinen nur rudimentär ausgeprägten Sinn für Ästhetik und Brachialromantik mit schlechter CGI zu beleidigen vermag, kann ich auch getrost darauf warten, daß sich eines Abends mal die glückliche Konstellation eine Flasche Tequila - Leihvideo "Van Helsing" - hübsche Frau ergibt und mir erstere beide gleichzeitig und anschließend letztere reinziehen.

  Vom andernorts bereits besungenen S-Bahnhof "Schwelm West" aus habe ich abends nach getanem Tagewerk freie Sicht auf die Leinwand des berühmten Autokinos und gab mir glatt mal fünf Minuten Stumm-Version. Arghl.

  Ich wette, es wird eine Fortsetzung geben - van Helsing vs. die nächste Reinkarnation der Mumie oder so. Früher oder später. Wie kann man nur?

  Zugegebenermaßen muß ich den Jungs von der Kulisse und der Schneiderei eine gute Arbeit bescheinigen, und unter jedem anderen Regisseur hätte das wohl eine super Atmosphäre ergeben. Aber wann, wann endlich werden Stil, Witz, Spannung, Story, Pathos, Atmosphäre und Dramatik ihre endgültige Vereinigung in einem Film finden? Bitte weckt mich, wenn es soweit ist, und ich werde sofort aufhören, am entsprechenden Drehbuch zu schreiben :-P


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