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Zwei Wochen Studium der Wirtschaftswissenschaften...
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Akareyon

Zwei Wochen Studium der Wirtschaftswissenschaften... (verfasst: Dienstag, 13. Mai 2003, 13:33) #

In einer der ersten BWL III-Vorlesungen beamte uns der Professor eine Darstellung der Kontradieff-Zyklen (weitergeführt nach Nefiodow) an die Wand. Diese Kurve veranschaulicht das Auf und Ab der Weltwirtschaft seit Beginn der Industrialisierung in England (im deutschen Pott mit einer Verzögerung von zehn Jahren). Ein Zyklus dauert etwa 60 Jahre, fand Kontradieff heraus.

  Auf der Powerpoint-Folie waren über jedem oberen Wendepunkt, also "Hoch", die wissenschaftlichen Errungenschaften jener Zeit abgetragen (ich werde baldmöglichst ein Bild davon ausstellen, dann isses plastischer). Ich überreiße kurz: Hoch 1790: Dampfmaschine und Baumwolle. Hoch 1850: Eisenbahn und Stahl. Hoch 1910: Elektrizität und Chemie. Hoch 1970: Erdöl und Automobil.

  Bedeutet das, daß wir gerade mittendrin in einer weltwirtschaftlichen Baisse sind? Oder beim Übergang vom fünften in den sechsten Zyklus? Ich denke, ich werde es während des Studiums herausfinden.

  Aber mir geht es eigentlich um was anderes, nämlich die Hausse, die dann ja eigentlich kommen sollte: durch welche Technik wird diese bedingt sein? "Nanotechnologie" und "Gentechnik" warf der Professor wirr in den Raum. Verdammt, ja. An die Raumfahrt braucht man ja momentan nicht zu denken. Oder, um nach dem Schema des BWL I-Professors zu gehen:


Agrargesellschaft   →   Industriegesellschaft   →   Informationsgesellschaft
      └→Agrarökonomie         └→ Produktionswirtschaft         └→ Kommunikationswirtschaft


  Die Industriegesellschaft setzte die Agraröknomie voraus, d.h. die Produktion der Güter aus der Landwirtschaft mußte gewissermaßen "reibungslos" verlaufen. Unsere Informationsgesellschaft setzt die Produktionswirtschaft voraus, und tatsächlich: dank CAD, MIS, CAM (der geschätzte Leser denke sich hier ein paar andere kryptische Kürzel für die Errungenschaften unserer Zivilisation) ist die serielle, doch flexible Produktion von Unikaten faktisch schon im Gang (wir unterscheiden also zwischen "Fließbandfertigung" und "robotics").

  Doch bleibt die Frage: was kommt als nächstes?

  Okay, die Forschung an der Gentechnologie ist schon im vollem Gange, und die meisten von uns sind mit den Ergebnissen irgendwie schon in Berührung gekommen, und wenn es nur eine gentechnologisierte Tomate war. Die einschneidenden Veränderungen stehen natürlich noch aus. Doch was, wenn die Nanotechnologie sich einen Weg in die Haushalte ebnet? Habt Ihr schon irgendwelche Visionen diesbezüglich?

  Interessant fand ich die Visionen von Tad Williams in seinem vierteiligen "Otherland"-Epos. Nano-Roboter sind teure Spielzeuge, die Technik ermöglicht die Kommunikation des Hirns mit dem Computer fast ohne Interface, d.h. man kann das Modem direkt an eine Buchse in seinem Kopf anschließen.

  Werden Autos fliegen können?



bearbeitet von Akareyon am Mittwoch, 28. April 2004, 18:07, 1 Korrektur

antwort mit zitat

binozap

Re: Zwei Wochen Studium der Wirtschaftswissenschaften... (verfasst: Sonntag, 29. Februar 2004, 14:18) #


Zitat Akareyon:

  Doch bleibt die Frage: was kommt als nächstes?
  ....  Werden Autos fliegen können?

Die imaginäre Grenze zwischen biologischen und nichtbiologischen, sich selbstorganisierenden Systemen wird unscharf werden. Will heissen, es wird Objekte, Systeme geben die sich so verhalten, wie wir es heute etwa von lebenden Strukturen kennen, die aber nicht von bereits bestehenden Systemen abstammen. Die Frage, ob eine solche Struktur lebt oder nicht, ist unwesentlich und führt nur in die uralte Fragestellung, was lebt und was lebt nicht ? Um es in schlechtem Deutsch zu sagen.

"Intelligenter" Sand, kleine Einheiten, die sich fast nach Belieben zu größeren funktionellen Strukturen zusammenschließen. Ist nicht auf meinem Mist gewachsen, ich weiss, aber ich glaube, in diese Richtung wird etwas laufen. Technische Detailfragen werden zwar von den weitblickenden GURUS der Futurologie gerne beiseite geschoben, sind hier jedoch durchaus interessant. Etwa die Frage nach der Energieversorgung. Die Gesetze der Thermodynamik können die Informatiker und Nanotechnologen nicht aus der Welt schaffen. Man braucht was zu beissen, wenn man ständig gegen den Anstieg der Entropie kämpft. Nun, was fressen unsere intelligenten Sandkörner ? Luft und Liebe ? Nein, vielleicht besser: Luft und/oder Licht ? Schön, was macht unser Superdingsbums aus Sand wenn es dunkel wird ? Klar - es legt sich schlafen.

Wenn ich es aber auch im dunkeln brauche, oder Leistungsspitzen gefordert werden, die über dem laufenden Leistungserwerb liegen ? Sicher, da machen wir eine "Batterie" rein in das Dingens und schwupps haben wir einen "Stoffwechsel". Oder das Teil sucht sich eine Steckdose und saugt sich voll, es "frisst" oder "trinkt" oder wird nur schlicht aufgeladen oder aufgetankt. Nein - fragt nicht, ob es lebt.
Mein Auto kann leider auch nicht fliegen. Und wenn es flöge, wäre es ein Flieger. Und im Übrigen weder lebendig noch intelligent, weil's ständig vor sich hinrostet und nicht selbstständig zur Tanke rollt.

Ein Klavier ein Klavier


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Werner Heisenberg (Physik und Philosophie, Frankfurt 1973, S. 34 f.)






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