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Tandaradei
Angizia
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Akareyon

Angizia (verfasst: Dienstag, 13. Mai 2003, 14:24) #

Hauptanliegen der österreichischen Band Angizia scheint grundsätzlich zu sein, Musik zu machen, die sich zwar jeglicher Zuordnung entzieht, und auch die Beschreibung ihrer Musik schwer zu machen, und sich dennoch "schön", "gut" anzuhören, schlicht: zu gefallen. Sie selbst beschreiben sich gerne als "schräg", andere Vokabeln in diesem Zusammenhang sind "Avantgarde", "genial", oder gar verrückt.

  Kennengelernt habe ich Angizia mit dem Album Die Kemenaten scharlachroter Lichter. Allein die Texte des Booklets hatten mir es damals sehr angetan: jemand, der sich so mit der deutschen Sprache umzugehen traut wie Bandleader Engelke, muß entweder einen Schuß im Ofen haben oder total genial sein. Die Musik habe ich damals noch als eine Mischung aus Heavy Metal und Klassik bezeichnet, wobei sich jedoch allzuleicht leicht Assoziationen zu Haggard oder Rhapsody anbieten, was Angizia niemals nicht gerecht wird. Wir haben eine Mischung von Elemen aus Black/Death Metal: den Kreischgesang Engelkes. Klassik: einen Klaviervirtuosen. Metal: Akustik- und Rhythmus-Gitarren und wieder Klassik: die Sporanistin Irene Denner, die eine klassische Gesangsausbildung genossen hat, was man auch hören kann. Die Stimmung variiert von himmelhochjauchzend, entrückt, dem schönen zugetan, und gleichzeitig melancholisch wütend - das ganze Spektrum der menschlichen Gefühle wird nacheinander in Kombinationen mit Elementen seiner selbst kombiniert.

  Das Album Das Tagebuch der Hanna Anikin war dann der erste Teil einer "rußlandorientierten Trilogie", setzte musikalisch die Kemenaten fort, erzählte anhand des Tagebuchs der fiktiven Hanna Anikin Geschichten rund um Komik, Freude, Unsicherheit und Entsetzen. Erstmals kümmerte sich Gabriele Böck um das Artwork des Booklets, indem sie ein Bild zum letzten Kapitel der CD malte: "Die Fieberschauer eines betrunknen schwarzen Schmetterlings"

  In der sehnsüchtigen Hoffnung und leichtem Zweifel, daß und ob das nächste Album noch besser würde, kaufte ich natürlich auch Das Schachbrett des Trommelbuben Zacharias. Musikalisch zwar den beiden Vorgängeralben noch sehr ähnlich, und ihnen doch weniger ähnlich als die beiden untereinander, verzichtete Engelke zum ersten Mal auf den Kreischgesang und verpflichtete Bariton Rudi Gratzl. Das Booklet, diesmal komplett von Gabriele Böck und stimmungstechnisch sich nahtlos einfügend illustriert, erzählt von der Geschichte des Trommelbuben Zacharias, der eines Tages seine Trommel niederlegt, um sich dem Schachspiel zu widmen und dessen Elemente als Symbole für das russische Sozialgefüge seiner Zeit zu nutzen. Wiederum mal melancholisch-nachdenklich, dann humorvoll und gar überschwenglich, doch viel zugänglicher als auf den anderen Alben vermögen die Stücke einmal und für immer zu begeistern. Das Instrumentarium wird gefällig durch ein Akkordeon erweitert.

  Das aktuellste Album, 39 Jahre für den Leierkastenmann, ist der dritte Teil der Trilogie und beginnt seine Erzählung in Lemberg, erzählt die Geschichte des Judenbubs Elias Hohlberg, der auf dem Dachboden eine alte Drehleier findet und in ihren "Tönen, frech und heiter" sein Heil sucht und findet, und begleitet ihn bis zu seinem Tod. Immer klarer wird die Mischung aus moderner Operette, Spät-Barock und E-Gitarren. Einige Lieder werden "schwieriger" als auf den anderen Alben, doch es gibt auch Lieder, die irgendwie mitreißen (freilich nicht im Sinne von "Zappelschuppenmucke" oder "YOOOOH Headbanging"): "Die linke Hand des Musikanten" sowie "Anastasia Spennocchi" sind schnell, melodiös und wunderschön. Besonders "Blumen von Tschandravatii" sorgt für Gänsehaut. Das Album lebt vom Geiger Roland Bentz und Akkordeon-Spieler Krzysztof Dobrek, die durch ihr virtuoses Spiel die gesamte Platte zum akustischen Festschmaus machen. Besonders interessant und genial wird das Album durch das Zutun von Eviga, dem "Mastermind" hinter der Formation Dornenreich (Her von welken Nächten), der ein guter Freund von Engelke (der hier zum ersten Mal unter seinem bürgerlichen Namen Michael Haas auftaucht) und großer Fan von Angizia ist.

  Sämtliche Ähnlichkeiten oder mögliche Einflüsse von anderen Bands lehnt Engelke strikt ab: Angizia ist Angizia, wurde nie, wird nicht und wird nie beeinflußt von einer anderen Band. Ähnlichkeiten sind rein zufällig. Angizia schreibt, was Angizia gefällt, auch, wenn sich das Publikum dadurch nicht vergrößert, auch, wenn Fans davon verschreckt werden.

  Das nächste Album wird eine Fortsetzung von "39 Jahre" im Jenseits sein. Michael Haas schreibt bereits seit Oktober 2002 an dem Stück.

Discographie
- Amestigon/Angizia Split CD (ist nur noch schwer zu bekommen).
- Die Kemenaten scharlachroter Lichter (ist nach Aussagen von Engelke gar nicht mehr erhältlich. Ich hab' die letzte bekommen...)
- Das Tagebuch der Hanna Anikin
- Das Schachbrett des Trommelbuben Zacharias
- 39 Jahre für den Leierkastenmann


Offizielle Homepage:
www.angizia.com


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Nehmen wir an, daß eine kleine monochromatische Lichtquelle Licht ausstrahlt auf einen schwarzen Schirm, der zwei kleine Löcher hat. Die Durchmesser der Löcher brauchen nicht viel größer zu sein als die Wellenlänge des Lichtes, aber ihr Abstand soll erheblich größer sein. In einigem Abstand hinter dem Schirm soll eine photographische Platte das ankommende Licht auffangen. Wenn man dieses Experiment in den Begriffen des Wellenbildes beschreibt, so sagt man, daß die Primärwelle durch beide Löcher dringt. Es wird also zwei sekundäre Kugelwellen geben, die von den Löchern ihren Ausgang nehmen und die miteinander interferieren. Die Interferenz wird ein Muster stärkerer und schwächerer Intensitäten, die sogenannten Interferenzstreifen, auf der photographischen Platte hervorbringen. Die Schwärzung der photographischen Platte ist im Quantenprozeß ein chemischer Vorgang, der durch einzelne Lichtquanten hervorgerufen wird. Daher muß man das Experiment auch in der Lichtquantenvorstellung beschreiben können. Wenn es nun erlaubt wäre, darüber zu sprechen, was dem einzelnen Lichtquant zwischen seiner Emission von der Lichtquelle und seiner Absorption in der photographischen Platte passiert, so könnte man in derfolgenden Weise argumentieren. Das einzelne Lichtquant kann entweder durch das erste oder durch das zweite Loch gehen. Wenn es durch das erste Loch geht und dort gestreut wird, so ist die Wahrscheinlichkeit dafür, daß es später an einem bestimmten Punkt der photographischen Platte absorbiert wird, davon unabhängig, ob das zweite Loch geschlossen oder offen ist. Die Wahrscheinlichkeitsverteilung auf der Platte muß die gleiche sein, als wenn nur das erste Loch offen wäre. Wenn man das Experiment viele Male wiederholt und alle die Fälle zusammenfaßt, in denen das Lichtquant durch das erste Loch gegangen ist, so sollte die Schwärzung der photographischen Platte dieser Wahrscheinlichkeitsverteilung entsprechen. Wenn man nur die Lichtquanten betrachtet, die durch das zweite Loch gegangen sind, so sollte die Schwärzungsverteilung jener entsprechen, die man aus der Annahme enthält, daß nur das zweite Loch offen war. Die Gesamtschwärzung sollte also genau die Summe der Schwärzungen in beiden Fällen sein; in anderen Worten, es sollte keine Interferenzstreifen geben. Aber wir wissen, daß dies falsch ist, und das Experiment wird zweifellos die Interferenzstreifen zeigen. Daraus erkennt man, daß die Aussage, das Lichtquant müsse entweder durch das eine oder durch das andere Loch gegangen sein, problematisch ist und zu Widersprüchen führt. Man erkennt an diesem Beispiel deutlich, daß der Begriff der Wahrscheinlichkeitsfunktion nicht eine raum-zeitliche Beschreibung dessen erlaubt, was zwischen zwei Beobachtungen geschieht. Jeder Versuch, eine solche Beschreibung zu finden, würde zu Widersprüchen führen. Dies bedeutet, daß schon der Begriff 'Geschehen' auf die Beobachtung beschränkt werden muß. Das ist allerdings ein sehr merkwürdiges Resultat, das zu zeigen scheint, daß die Beobachtungen eine entscheidende Rolle bei dem Vorgang spielt und daß die Wirklichkeit verschieden ist, je nachdem, ob wir sie beobachten oder nicht.

Werner Heisenberg (Physik und Philosophie, Frankfurt 1973, S. 34 f.)






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