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Milleniums- und Milliardenbabys
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Akareyon

Milleniums- und Milliardenbabys (verfasst: Mittwoch, 30. April 2003, 10:49) #

Wie versprochen, werde ich hier von Zeit zu Zeit mal irgendwas erzählen. Ging mir doch gerade ein Interview mit Udo Jürgens durch den Kopf, in dem er über sein Lied spricht, mit dem er die Bildzeitung kritisiert hat, als diese geschrieben hatte: "Hurra, fünf Milliarden." Das bezog sich schließlich auf die Erdbevölkerung.

  Und dann fiel mir wieder ein, daß UNO-Generalsekretär Kofi Anan eine verdammt teure Dienstreise in den Balkan unternommen hat und dort einem Kind stellvertretend für tausend andere alles Gute zum "Sechsmilliardsten" gewünscht hat.

  Und das hat mir zu denken gegeben. Erinnern wir uns an die Monate März/April '99 zurück, als Top-Thema von Peep!, Wa(h)re Liebe und Liebe Sünde das "Milliennium Baby" war (selbst in den Nachrichten des Vorabendprogramms der Privaten wurden Stellungstips gegeben). Da verschoben Tausende von Frauen ihre Periode, um am 1.1.2000 ein Baby zur Welt zu bringen. Aber was, wenn die Demographen demnächst alle vier Jahre (Tendenz: immer häufiger) Kalenderdaten für optimale Paarungszeiten herausgeben, damit die Wahrscheinlichkeit, ein "Milliarden-Baby" zu bekommen, so groß wie irgend möglich ist?

  Abgesehen davon, daß dieser Millenium-Baby-Tic wahrscheinlich der rückläufigen Geburtenrate in Deutschland und der daraus folgenden Babyarmut ein kleines bißchen entgegenwirken konnte. Aber stell Dir mal die Abiturjahrgänge 2018-2020 vor: ca. dreißig Prozent aller Kursstufenmitglieder hätten Dezember/Januar Geburtstag. Wäre doch lustig, oder? Wenn wir weiter der landläufigen Meinung, Winterkinder seien durchschnittlich kreativer als andere, Glauben schenken, können wir wahrscheinlich auf eine Menge junger, dynamischer Künstler hoffen.


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Nehmen wir an, daß eine kleine monochromatische Lichtquelle Licht ausstrahlt auf einen schwarzen Schirm, der zwei kleine Löcher hat. Die Durchmesser der Löcher brauchen nicht viel größer zu sein als die Wellenlänge des Lichtes, aber ihr Abstand soll erheblich größer sein. In einigem Abstand hinter dem Schirm soll eine photographische Platte das ankommende Licht auffangen. Wenn man dieses Experiment in den Begriffen des Wellenbildes beschreibt, so sagt man, daß die Primärwelle durch beide Löcher dringt. Es wird also zwei sekundäre Kugelwellen geben, die von den Löchern ihren Ausgang nehmen und die miteinander interferieren. Die Interferenz wird ein Muster stärkerer und schwächerer Intensitäten, die sogenannten Interferenzstreifen, auf der photographischen Platte hervorbringen. Die Schwärzung der photographischen Platte ist im Quantenprozeß ein chemischer Vorgang, der durch einzelne Lichtquanten hervorgerufen wird. Daher muß man das Experiment auch in der Lichtquantenvorstellung beschreiben können. Wenn es nun erlaubt wäre, darüber zu sprechen, was dem einzelnen Lichtquant zwischen seiner Emission von der Lichtquelle und seiner Absorption in der photographischen Platte passiert, so könnte man in derfolgenden Weise argumentieren. Das einzelne Lichtquant kann entweder durch das erste oder durch das zweite Loch gehen. Wenn es durch das erste Loch geht und dort gestreut wird, so ist die Wahrscheinlichkeit dafür, daß es später an einem bestimmten Punkt der photographischen Platte absorbiert wird, davon unabhängig, ob das zweite Loch geschlossen oder offen ist. Die Wahrscheinlichkeitsverteilung auf der Platte muß die gleiche sein, als wenn nur das erste Loch offen wäre. Wenn man das Experiment viele Male wiederholt und alle die Fälle zusammenfaßt, in denen das Lichtquant durch das erste Loch gegangen ist, so sollte die Schwärzung der photographischen Platte dieser Wahrscheinlichkeitsverteilung entsprechen. Wenn man nur die Lichtquanten betrachtet, die durch das zweite Loch gegangen sind, so sollte die Schwärzungsverteilung jener entsprechen, die man aus der Annahme enthält, daß nur das zweite Loch offen war. Die Gesamtschwärzung sollte also genau die Summe der Schwärzungen in beiden Fällen sein; in anderen Worten, es sollte keine Interferenzstreifen geben. Aber wir wissen, daß dies falsch ist, und das Experiment wird zweifellos die Interferenzstreifen zeigen. Daraus erkennt man, daß die Aussage, das Lichtquant müsse entweder durch das eine oder durch das andere Loch gegangen sein, problematisch ist und zu Widersprüchen führt. Man erkennt an diesem Beispiel deutlich, daß der Begriff der Wahrscheinlichkeitsfunktion nicht eine raum-zeitliche Beschreibung dessen erlaubt, was zwischen zwei Beobachtungen geschieht. Jeder Versuch, eine solche Beschreibung zu finden, würde zu Widersprüchen führen. Dies bedeutet, daß schon der Begriff 'Geschehen' auf die Beobachtung beschränkt werden muß. Das ist allerdings ein sehr merkwürdiges Resultat, das zu zeigen scheint, daß die Beobachtungen eine entscheidende Rolle bei dem Vorgang spielt und daß die Wirklichkeit verschieden ist, je nachdem, ob wir sie beobachten oder nicht.

Werner Heisenberg (Physik und Philosophie, Frankfurt 1973, S. 34 f.)






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