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Otherland (Tad Williams)
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Akareyon

Otherland (Tad Williams) (verfasst: Donnerstag, 7. August 2003, 1:10) #

.  Nun dann kam er endlich raus, der langerwartete, vierte und damit endgültig letzte Teil des Otherland-Epos vom Fantasy-Autoren Tad Williams. Schon vor der Veröffentlichung des letzten Teils hatte es über das SciFi/Fantasy/VR-Werk geheißen, daß es das Zeug zum Herrn der Ringe des 21. Jahrhunderts hätte.

  Mitte des 21. Jahrhunderts bereits ist das Internet immer noch das, was es jetzt ist - man kann spielen, Informationen sammeln, sich entspannen oder in künstlichen Realitäten die eigentliche Realität vergessen. Mit dem Unterschied, daß man nicht mehr von Tastatur und Maus abhängig ist, sondern mithilfe von Headsets und speziellen Handschuhen, wie man sie von der CeBit her kennt, durch die digitalen Welten streift.

  Doch noch immer benötigt man viel Rechenleistung, um die künstlichen Wesen und Welten anständig darzustellen - demenstprechend dreieckig sieht alles noch aus.

  Im Verlauf der Handlung lernt man !Xabbu (einen jungen afrikanischen Buschmann, der sich auch ein wenig mit dem Stadtleben auskennt), Renie Sulaweyo (seine Informatiklehrerin), Steven (ihren kleinen Bruder), Joseph (ihren verwitweten Vater), Orlando Gardiner (einen jungen Teenager, der sich in verschiedenen künstlichen Welten auskennt und besonders im "Middle Country", einer Tolkien-artigen Welt, als Thargor berühmt ist), Sam Fredericks (seinen Freund, im Middle Country als Dieb Pitlith bekannt), Christabel Sorensen (ein kleines Mädchen auf einer Armeebasis), einen Mr. Sellars (einen freundlichen, alten, vernarbten Mann, der im Rollstuhl sitzt) sowie einige andere obskure Gestalten kennen. Als Renies Bruder bei einem Netzbesuch in ein unerklärliches Koma fällt, macht sich Renie daran, den Fall aufzuklären. Und als ihre langjährige Freundin, die ihr zu helfen versucht, einem heimtückischen Anschlag zum Opfer fällt, merkt Renie einerseits, wie richtig sie mit ihren bisherigen Vermutungen war, und auf der anderen Seite, daß sie selbst in Gefahr ist. Und wie wichtig es ist, alles restlos aufzuklären.

.  Man wird mit unzähligen Ungereimtheiten konfrontiert, die sich eine nach der anderen auflösen, doch zwischendurch muß man den vielfältigen Charakteren (es werden mit der Zeit immer mehr) durch verschiedene virtuelle Welten folgen, was teilweise faszinierend, teilweise aber auch seeeehr lanweilig ist. Da gibt es eine seltsame Form des Zauberlandes Oz, eine Marswelt, den Wilden Westen, Rom, Troja, H.G.Well's England nach "The War Of The Worlds", eine Comicwelt... Manchmal laufen knapp acht bis zehn (scheinbar) unabhängige Handlungsstränge nebeneinander her, ohne daß es unübersichtlich wird, und rettenderweise gibt es wenig "Cliffhanger" von der Sorte "das große Monster machte das Maul auf, Renie erstarrte" - "nächstes kapitel: Skouros bohrte sich in der Nase". Ein Kapitel wird anständig abgeschlossen, dann erst kommt das nächste.

  Die Charaktere sind hervorragend ausgearbeitet, jede Figur hat ein eigenes, interessantes Leben und viele Geschichten zu erzählen. Es gibt wenig stereotype Charakter, keine Schwarz/Weißzeichnungen.

  Von Buch zu Buch hat es immer etwas gegeben, was mich überrascht hat, doch auch immer wieder Wendungen, die ich erwartet hatte. Die letzte Hälfte des vierten Buches kulminiert schließlich in einem Crescendo von Enthüllungen, daß man ganz blaß werden möchte vor Schreck. Auf den ersten Blick hat es an der Story (zumindest für mich) nichts gegeben, was wirklich aufdringlich inszeniert oder künstlich, konstruiert gewirkt hätte. Die letzten zwanzig bis dreißig Seiten schließlich ergehen sich in einem endlosen Happy End, damit auch ja keine Fragen offen bleiben - als täte es Williams nun leid, von seinem Buch und seinen Charakteren loslassen zu müssen.

  Am interessantesten finde ich den philosophischen Anspruch. Diesen hier zu nennen, würde das ganze Buch vermiesen - deshalb sage ich nur: selber lesen. Das ist es wert. Und am besten in der Bücherei ausleihen, sonst wird's teuer.

  Wer sich die Bücher dennoch kaufen möchte, wird übrigens bei der englischen Version mit dem Cover-Artwork des unvergleichlichen Michael Whelan belohnt :-)

.Amazon.de
City Of Golden Shadow
River Of Blue Fire
Mountain Of Black Glass
Sea Of Silver Light

Stadt der Goldenen Schatten
Fluß aus blauem Feuer
Berg aus schwarzem Glas
Meer des silbernen Lichts

Diese Rezension wurde vor Urzeiten auf www.akareyon.com veröffentlicht *g*


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Nehmen wir an, daß eine kleine monochromatische Lichtquelle Licht ausstrahlt auf einen schwarzen Schirm, der zwei kleine Löcher hat. Die Durchmesser der Löcher brauchen nicht viel größer zu sein als die Wellenlänge des Lichtes, aber ihr Abstand soll erheblich größer sein. In einigem Abstand hinter dem Schirm soll eine photographische Platte das ankommende Licht auffangen. Wenn man dieses Experiment in den Begriffen des Wellenbildes beschreibt, so sagt man, daß die Primärwelle durch beide Löcher dringt. Es wird also zwei sekundäre Kugelwellen geben, die von den Löchern ihren Ausgang nehmen und die miteinander interferieren. Die Interferenz wird ein Muster stärkerer und schwächerer Intensitäten, die sogenannten Interferenzstreifen, auf der photographischen Platte hervorbringen. Die Schwärzung der photographischen Platte ist im Quantenprozeß ein chemischer Vorgang, der durch einzelne Lichtquanten hervorgerufen wird. Daher muß man das Experiment auch in der Lichtquantenvorstellung beschreiben können. Wenn es nun erlaubt wäre, darüber zu sprechen, was dem einzelnen Lichtquant zwischen seiner Emission von der Lichtquelle und seiner Absorption in der photographischen Platte passiert, so könnte man in derfolgenden Weise argumentieren. Das einzelne Lichtquant kann entweder durch das erste oder durch das zweite Loch gehen. Wenn es durch das erste Loch geht und dort gestreut wird, so ist die Wahrscheinlichkeit dafür, daß es später an einem bestimmten Punkt der photographischen Platte absorbiert wird, davon unabhängig, ob das zweite Loch geschlossen oder offen ist. Die Wahrscheinlichkeitsverteilung auf der Platte muß die gleiche sein, als wenn nur das erste Loch offen wäre. Wenn man das Experiment viele Male wiederholt und alle die Fälle zusammenfaßt, in denen das Lichtquant durch das erste Loch gegangen ist, so sollte die Schwärzung der photographischen Platte dieser Wahrscheinlichkeitsverteilung entsprechen. Wenn man nur die Lichtquanten betrachtet, die durch das zweite Loch gegangen sind, so sollte die Schwärzungsverteilung jener entsprechen, die man aus der Annahme enthält, daß nur das zweite Loch offen war. Die Gesamtschwärzung sollte also genau die Summe der Schwärzungen in beiden Fällen sein; in anderen Worten, es sollte keine Interferenzstreifen geben. Aber wir wissen, daß dies falsch ist, und das Experiment wird zweifellos die Interferenzstreifen zeigen. Daraus erkennt man, daß die Aussage, das Lichtquant müsse entweder durch das eine oder durch das andere Loch gegangen sein, problematisch ist und zu Widersprüchen führt. Man erkennt an diesem Beispiel deutlich, daß der Begriff der Wahrscheinlichkeitsfunktion nicht eine raum-zeitliche Beschreibung dessen erlaubt, was zwischen zwei Beobachtungen geschieht. Jeder Versuch, eine solche Beschreibung zu finden, würde zu Widersprüchen führen. Dies bedeutet, daß schon der Begriff 'Geschehen' auf die Beobachtung beschränkt werden muß. Das ist allerdings ein sehr merkwürdiges Resultat, das zu zeigen scheint, daß die Beobachtungen eine entscheidende Rolle bei dem Vorgang spielt und daß die Wirklichkeit verschieden ist, je nachdem, ob wir sie beobachten oder nicht.

Werner Heisenberg (Physik und Philosophie, Frankfurt 1973, S. 34 f.)






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