Dugarun :: Forenübersicht :: Registrieren :: Anmelden

NAME:  speichern
 P455W0R7:   
 
   
 
zurück zum Forum
Ex Libri
Banshees! (Stefan Axel Boës)
1 / 1 antworten

Akareyon

Banshees! (Stefan Axel Boës) (verfasst: Donnerstag, 7. August 2003, 20:14) #

In der heutigen Folge vom literarischen Solo soll es einmal um den Roman Banshees! von Stefan Axel Boës gehen. Das Erstlingswerk des Eichsfelders führt uns in die politisch zerrissene Welt des zweiten Jahrzehnts des dritten Jahrtausends. Unzählige politisch und militärisch labile Staatengebilde sind entstanden. Jede religiöse und ethnische Minderheit veranstaltet kurzerhand einen Staatsstreich, kapselt sich vom Mutterstaat ab und erklärt die Unabhängigkeit. Da diese Mini-Staaten meist nicht die militärische Schlagkraft haben, die sie brauchen, um sich gegen ihre Nachbar- und Mutterstaaten zu behaupten, heuern sie Söldnereinheiten an. Zu dieser neuen Berufsgruppe mit Hochkonjunktur gehören auch die Braend's Banshees, die sich an einen kleinen Staat im Nahen Osten vermieten, um für die Sicherheit der frisch erlangten Unabhängigkeit zu sorgen.

.  Banshees! ist einer der besten Techno-Thriller, die ich je gelesen habe. Boës ist mit einer Liebe zum Detail ans Werk gegangen, die von einer Menge Hintergrundwissen, Fachwissen und Recherchenarbeit über Kultur, Religion, Philosophie und Technik zeugt. Hier bekommt der Freak, was er braucht: exakteste Typenbeschreibungen und technische Details von Flugzeugen, Hubschraubern, Waffen und anderem Gerät - und das alles in eine ungewisse Zukunft ("in zwanzig Jahren") projiziert, ohne eine überzogene Utopienerzählung geliefert zu bekommen. Was das Werk jedoch eigentlich ausmacht, ist der einzigartige, ja wortgewaltige Erzählstil. Unter der Feder von Boës wird das geschriebene Wort passagenweise zu einer gefährlichen Waffe beim Angriff auf die Lachmuskeln (ohne zu Slapstick zu verkommen), doch meist zu einem kritischen Auge auf die beschriebenen religiösen Verhältnisse.

  Was den Leser mit ohnehin schon zu hohem Blutdruck oder Herzinfarktrisiko beruhigen dürfte, ist, daß er nicht mit plötzlichen Überraschungen oder unvorhersehbaren Wendungen zu rechnen braucht. Die Handlung geht stur ihren Weg, ohne große Einwirkungen aus Nebenhandlungen, fängt auch erst nach der ersten Hälfte so richtig an, laut hörbar zu knistern. Mehr Nebenhandlung braucht die Story allerdings auch nicht. Was den Leser fesselt, ist die Hoffnung auf eine anständige Lösung von inneren Konflikten und des großen Problems, das sich entwickelt und immer mehr ausweitet. Die zahlreichen Charaktere sind (nach eigenen Angaben) nicht besonders ideenreich herausgearbeitet worden, haben aber dennoch ihre eigene Vergangenheit und sind doch alles andere flach. Es sollte eigentlich kein Problem sein, sich mit dem einen oder anderen zu identifizieren (Diesen Absatz könnte man auch so lesen: "Wäre das Buch ein Film, dann ein verdammt geiler B-Movie").

  Fazit: das Buch ist jedem zu empfehlen, der ein paar Abende lang die neo-orientalische Atmosphäre genießen, die Beklemmung und Verzweiflung mitfühlen und nebenbei etwas über den (fundamentalistischen) Islam und die Vorteile eines McDonnell Douglas/British Aerospace AV-8B Harrier II Plus VTOL-Jäger und einer Sikorsky CH-53E Super Stallion erfahren möchte.

Amazon.de
Banshees!


antwort mit zitat
   antworten



schreiben
antworten
umfragen
bearbeiten
löschen
moderieren

Obligates
Palantír
Tandaradei
Ex Libri
Film und Bild
In taberna quando sumus
Verweise

Dugarun
Memversuche




Nehmen wir an, daß eine kleine monochromatische Lichtquelle Licht ausstrahlt auf einen schwarzen Schirm, der zwei kleine Löcher hat. Die Durchmesser der Löcher brauchen nicht viel größer zu sein als die Wellenlänge des Lichtes, aber ihr Abstand soll erheblich größer sein. In einigem Abstand hinter dem Schirm soll eine photographische Platte das ankommende Licht auffangen. Wenn man dieses Experiment in den Begriffen des Wellenbildes beschreibt, so sagt man, daß die Primärwelle durch beide Löcher dringt. Es wird also zwei sekundäre Kugelwellen geben, die von den Löchern ihren Ausgang nehmen und die miteinander interferieren. Die Interferenz wird ein Muster stärkerer und schwächerer Intensitäten, die sogenannten Interferenzstreifen, auf der photographischen Platte hervorbringen. Die Schwärzung der photographischen Platte ist im Quantenprozeß ein chemischer Vorgang, der durch einzelne Lichtquanten hervorgerufen wird. Daher muß man das Experiment auch in der Lichtquantenvorstellung beschreiben können. Wenn es nun erlaubt wäre, darüber zu sprechen, was dem einzelnen Lichtquant zwischen seiner Emission von der Lichtquelle und seiner Absorption in der photographischen Platte passiert, so könnte man in derfolgenden Weise argumentieren. Das einzelne Lichtquant kann entweder durch das erste oder durch das zweite Loch gehen. Wenn es durch das erste Loch geht und dort gestreut wird, so ist die Wahrscheinlichkeit dafür, daß es später an einem bestimmten Punkt der photographischen Platte absorbiert wird, davon unabhängig, ob das zweite Loch geschlossen oder offen ist. Die Wahrscheinlichkeitsverteilung auf der Platte muß die gleiche sein, als wenn nur das erste Loch offen wäre. Wenn man das Experiment viele Male wiederholt und alle die Fälle zusammenfaßt, in denen das Lichtquant durch das erste Loch gegangen ist, so sollte die Schwärzung der photographischen Platte dieser Wahrscheinlichkeitsverteilung entsprechen. Wenn man nur die Lichtquanten betrachtet, die durch das zweite Loch gegangen sind, so sollte die Schwärzungsverteilung jener entsprechen, die man aus der Annahme enthält, daß nur das zweite Loch offen war. Die Gesamtschwärzung sollte also genau die Summe der Schwärzungen in beiden Fällen sein; in anderen Worten, es sollte keine Interferenzstreifen geben. Aber wir wissen, daß dies falsch ist, und das Experiment wird zweifellos die Interferenzstreifen zeigen. Daraus erkennt man, daß die Aussage, das Lichtquant müsse entweder durch das eine oder durch das andere Loch gegangen sein, problematisch ist und zu Widersprüchen führt. Man erkennt an diesem Beispiel deutlich, daß der Begriff der Wahrscheinlichkeitsfunktion nicht eine raum-zeitliche Beschreibung dessen erlaubt, was zwischen zwei Beobachtungen geschieht. Jeder Versuch, eine solche Beschreibung zu finden, würde zu Widersprüchen führen. Dies bedeutet, daß schon der Begriff 'Geschehen' auf die Beobachtung beschränkt werden muß. Das ist allerdings ein sehr merkwürdiges Resultat, das zu zeigen scheint, daß die Beobachtungen eine entscheidende Rolle bei dem Vorgang spielt und daß die Wirklichkeit verschieden ist, je nachdem, ob wir sie beobachten oder nicht.

Werner Heisenberg (Physik und Philosophie, Frankfurt 1973, S. 34 f.)






[ powered by phpBB 2 | Impressum ]