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Noyeraka zimadabim
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Akareyon

Noyeraka zimadabim (verfasst: Mittwoch, 30. April 2003, 12:13) #

Der folgende DUGARUN hat eine recht komplizierte Vorgeschichte. Anfangen muß ich damit, daß meine kleine Schwester auf der Berufsschule Schreibmaschinenunterricht genießt und ab und zu mal Hausaufgaben bekommt. Da sie an chronischer Druckerarmut leidet, bringt sie mir von Zeit zu Zeit eine Diskette mit ihren Hausaufgaben, damit ich sie auf meinen verrottendem HP DJ 560 C ausdrucken möge.

  Ich komme also eines Nachts schlaftrunken nach Hause und sehe einen Zettel an meiner Tür hängen, eine Diskette am Boden liegen. "Liebes Brüderchen, druck' doch bitte mal aus." Also gut.

  Man muß übrigens noch erwähnen, daß meine Schwester trotz ihrer Fähigkeiten als Tippse im Anfängerkurs ist und das übliche Programm durchmachen muß. Ich druckte also eine endlose Kolonne von "Olgas", "Oasen", "Olaffen" (olga olga olga olga olaf olaf olaf olaf oase oase oase) und so weiter aus.

  Ich weiß nicht mehr, wie, aber irgendwie hatte ich plötzlich unbändigen Spaß daran, das zu kommentieren. Inspiriert von Dschey Ahr Tollkühns "Der Herr der Augenringe" machte ich mich also an die Arbeit, und ich habe ungelogen eine ganze Stunde mit diesem Scheiß verbracht. Ich versichere, keinen Alkohol, keine Drogen und keine Aliens angerührt zu haben.

  Im Nachhinein ist das ganze natürlich sehr ausbaufähig, verliert allerdings schnell an Witz, sonst könnte man das unendlich weiterführen. Vielleicht setze ich mich noch mal in aller Ruhe hin.


Arachnael giflü pakamak,
rankarock, takatak.
Lapinjamen, o kasenn,
lafennamé, öjöjöjööjööj.
Jehintamerimablokatokatokamorimasik,
sikidim, ricky king.
Rikim aR tin, Brintnäß Pihrs
Falofamer, Falafel, timber zickezacke
hühn erka ke' is tlecker.
Mnjamnjam rülps röhr pups oléééé!
Zahin! Conan! Jarmi, Jarima, Lagrima Negra!
Borg, el, szenyo! Benina, Tutomar,
Noyeraka zimadabim, salabim, bum, plumps
Hokus Locus Focus Pokus Schokobonbons.
Mahrinya alkohol doop asche shit pot flott
in die Blutbahn einmal im Kreis um sechzig Grad, Oase, Olaf und Olga mit dreißig Atü und zwölf Hertz, kleiner Scherz, natürlich nur drei Gigakilo. Fünfzehn Neger mit Autobahn schnell aufgemalt ohne Furcht dem Fuchs ZACK! dritte Dimension im Waschsalon neue Unterhose trotzdem grün - schwarz-rot-gold anziehn: Schluß mit Blähungen im vierten Quadranten, sowieso Warp sieben und Waschmaschine funktioniert endlich in eckigem Rhythmus, Sibirien schön weich und Dilirium nicht mehr weit, knapp zwei Lichtjahre dritte Düne steil nach unten, siebtes Stockwerk, Sauerampfer in der Fresse. Vollständiger Datenverlust verbiegt sich stetig, Schraubendreher und Frauen auch nicht mehr das was sie mal werden, vielzuviele Neider, gerade erst wieder - warum auch nicht, steht der Ribonukleinsäure zu, aber die Billiardkugeln! Viren ohne Anfang, aber hurtig. Sonst ist Essig mit Brause, eklig, oder, könnte man sagen, unkonventionell, volle Breitseite, Hirn an den Tresen getackert, dennoch: Schuhmacher ist Weltmeister erster Klasse fünfte Grundschule in Vonyarcvarshegy vollkommen legiert. Taschenuhr Vanadium-Stahl, Toupet - kahl? Gütezeichen GmbH, Flohmärkte souveräner Mikoorganismen ständig Schrapnellen in der CD, Entziehungskur, Flash, Konsumverhalten stagniert, immer noch steigende Rohölpreise, aber Protuberation säuberlich laminiert und wurde oxydiert. Theorie erfriert, Samt und Seide im Heuschober, Salsaparty unter dem Perserteppich, Kleber konsequent, Drei-Wetter-Taft, ich hab's geschafft. Denkste, Flex gezipped und rauf auf den Ackergaul, zwar mit sofortiger Verzögerung implodiert, aber Anno 5000 Atlantis: Tischtennis, Weihwasser, Kopfsteinpflaster, chinesische Lampions und weg damit, flach hinlegen und Universen zählen. Abitur im Fernsehstudio, ganz adrett, ausgezogen und Hampelmann. Armee der Aphrodisiaka gegen Kontrazeptivum I. verloren, Peniskaktus eher was für gelangweilte Quasare. Blonde Pulsare immer noch niedrigerer Quotient, intelligent kasteit und Eicheln sammeln, räkeln sich die Erdkerne noch? Procyon konstant sporadisch, wird auf der Strecke aufkommen und Pentagramme an die Börsenkurse löten. Scopolamin in der Beretta, Wasserdampf umschleicht den Kühlwagen wie ein Bindfaden Käse jodelt, alle Achtung! bei der Oberweite kein Wunder Punkt in unserem Leben. Sicherungsring aus dem Interrupt gebügelt, endlich wieder Milch mit Kohlensäure, wurde auch nötig nach all dem Mercedesstern, Rasierklingen drangespuckt...

  (Die Banknachbarin meiner Schwester hat übrigens einige Sätze exemplarisch herausgenommen und per SMS an ihre Freunde geschickt. Inzwischen ist zum Beispiel die "Milch mit Kohlensäure" beliebtes Gesprächsthema in der Stadt. Irgendwas habe ich verkehrt gemacht. Aus den Kunst- und Phantasie-Wörtern in dem Gedicht mußte ich meinem Nachbarn auch noch einen Künstlernamen designen. Er heißt jetzt Brón Aragnaël.)



bearbeitet von Akareyon am Dienstag, 13. Mai 2003, 13:44, 1 Korrektur

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Maggi

(verfasst: Donnerstag, 8. Mai 2003, 15:43) #

Dem kann ich eigentlich nichts mehr hinzufügen, aber ich mache es trotzdem: Hatten wir doch just vor ein paar Tagen den großen Chiffren-Dichter Gottfried Benn im Deutschunterricht durchgenommen. Chiffren, so unser Deutschlehrer (sein Spitzname ist übrigens "Rotkübel"), sind Metaphern in den Metaphern in den Metaphern - also ziemlich wirr. Was dabei rauskommt ist ungefähr folgendes:


Schöne Jugend!
    Der Mund eines Mädchens, das lange im Schilf gelegen hatte,
    sah so angeknabbert aus.
    Als man ihr die Brust aufbrach, war die Speiseröhre so löcherig.
    Schließlich in einer Laube unter dem Zwerchfell
    fand man ein Nest von jungen Ratten.
    Ein kleines Schwesterchen lag tot.
    Die anderen lebten von Leber und Niere,
    tranken das kalte Blut und hatten
    hier eine schöne Jugend verlebt.
    Und schön und schnell kam auch ihr Tod:
    Man warf sie allesamt ins Wasser.
    Ach, wie die kleinen Schnauzen quietschten!


Das klang auch für mich in den ersten Minuten wie ein ziemlicher Müll, dachte an Drogentote und van Gogh, der sich unter Absintheinfluss das Ohr abgeschnitten hatte, dachte an Gummizellen, und die Zwangsjacke, die sich Darknesz auf meine Adresse bei ebay bestellt hatte.
Dann haben wir das Gedicht "aufgelöst" und darüber diskutiert, was der Benn mit den Metaphern gemeint haben könnte. Erstaunlich, finde ich.


antwort mit zitat

Akareyon

(verfasst: Dienstag, 13. Mai 2003, 13:41) #

Hey, cool. Das habe ich auch mal irgendwo gelesen, vermutlich gar im Unterricht, ich weiß es nicht mehr (aha! Eine Weltkonspiration deutscher Lehrer, um die Jugend mithilfe von grausigen Chiffren zu schockierten und willigen Mitgliedern der Gesellschaft werden zu lassen!).

  Nein, im Ernst, ich weiß es gar nicht mehr so genau. Aber was genau habt ihr denn bei der Aufdröselung der Chiffre herausgefunden? Denn mir fiele jetzt auf Anhieb kein Interpretationsansatz ein. Daß der Tod gleichzeitig Leben für andere bedeuten kann, dieses jedoch nicht weniger vergänglich ist? Das ist reichlich krass irgendwie.

  Nun ja, was deine ersten Assoziationen anging... nicht so weit hergeholt, wenn man mich fragen würde. Nun kenne ich den Darknesz nicht so richtig genau, aber Dir eine Zwangsjacke zu schicken war sicherlich ein Beweis seiner tiefen Liebe zum Wohlergehen der gesamten Menschheit.


antwort mit zitat

Maggi

(verfasst: Dienstag, 13. Mai 2003, 14:10) #

Jep, das war Darknesz tiefes Anliegen - und das Geld hat er immer noch nicht bezahlt.

Das mit dem angeknabberten Mund und den Ratten im Magen ist schon eine kleine Weile her. Dieses Gedicht, mit dem schönen Namen "Nachtcafé", auch von G. Benn, haben wir erst vor kurzem besprochen, deswegen weiß ich von diesem hier auch noch die Interpretationen:

    Der Frauen Liebe und Leben.
    Das Cello trinkt rasch mal. Die Flöte
    Rülpst tief drei Takte lang: das schöne Abendbrot
    Die Trommel liest den Kriminalroman' zu Ende.

    Grüne Zähne, Pickel im Gesicht
    winkt einer Lidrandentzündung.

    Fett im Haar
    Spricht zu offenem Mund mit Rachenmandel
    Glaube Liebe Hoffnung um den Hals.

    Junger Kropf ist Sattelnase gut.
    Er bezahlt‑ für sie drei Biere.

    Bartflechte kauft Nelken,
    Doppelkinn zu erweichen.

    D‑Moll: die 35. Sonate.
    Zwei Augen brüllen auf‑.
    Spritzt nicht das Blut von Chopin in den Saal,
    damit das Pack darauf rumlatscht!
    Schluß! He Gigi!‑

    Die Tür fließt hin: Ein Weib
    Wüste ausgedörrt. Kanaanitisch braun.
    Keusch. Höhlenreich. Ein Duft kommt mit.
    Kaum Duft.
    Es ist nur eine süße Vorwölbung der Luft
    gegen mein Gehirn.

    Eine Fettleibigkeit trippelt hinterher.


Hier beschreibt Benn die Leute als das, was sie haben: Das Cello ist der Mann, der Cello spielt und die Bartflechte ist der Mann mit Bartflechte (vielleicht ist es ja auch eine Frau). Aber er scheint anscheinend sauer zu sein - im Café ist ein reges Treiben, und jeder flirtet mit einem anderen. Nur er hat niemanden, und deswegen hat er einen Hass auf seine Konkurrenten und Hass auf die Weibchen, die sich nicht zu ihm gesellen wollen.
Dann geht die Tür auf, und eine Frau steht drin, die ihm gefallen könnte - und: sie ist allein! Doch dann sieht er, dass sie gar nicht so schön ist, außerdem trippelt eine Fettleibigkeit hinterher :-) So oder ähnlich haben wir das interpretiert.
Die Dichter des Expressionismus, wenn du mich fragst, haben die alle einen Vogel.


antwort mit zitat

Akareyon

(verfasst: Freitag, 9. Januar 2004, 0:32) #


Zitat Maggi:
Die Dichter des Expressionismus, wenn du mich fragst, haben die alle einen Vogel.

Du sprichst ein wahres Wort gelassen aus, junges Menschenkind.


antwort mit zitat
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